Bore-out: Unterfordert bei der Arbeit

Lisanne van Marrewijk
Überprüft von Psycholog*in Judith Klenter
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Wenn uns jemand fragt, wie es uns geht, antworten wir oft mit „Ich habe viel zu tun”. Wir arbeiten, gehen unseren sozialen Kontakten nach und wollen gleichzeitig auch noch etwas für uns selbst tun. Diese Dinge sind alle wichtig. Was aber, wenn man zu wenig zu tun hat? Meist gibt man das nicht zu. Viel beschäftigt zu sein gilt schließlich als etwas Gutes. Die Folge von Unterforderung kann jedoch genauso schlimm sein wie ein Burn-out. 

 

Diese Unterforderung nennt man Bore-out. Es entsteht, wenn das Leben oder die Arbeit einen nicht genug fordern. Wie sorgt man nun dafür, dass man nicht in diesen Zustand abrutscht? Wir geben dir ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg.

 

Bore-out vs. Burn-out 

 

Immer mehr Unternehmen versuchen, für ihre Mitarbeitenden eine möglichst gute Work-Life-Balance zu schaffen. Das soll verhindern, dass Mitarbeitende überlastet werden. In Deutschland litten im Jahr 2019 laut Krankenkasse AOK 185.000 Menschen unter Burn-out-Symptomen.

 

Zu wenig gefordert zu werden, hat allerdings einen ähnlichen Effekt. Wenn dir deine Arbeit zu wenig Herausforderung bietet, kann dies dieselben Folgen haben wie ein Burn-out.

 

„Man fühlt sich gestresst, gereizt und unruhig, kann sich schlecht konzentrieren, hat Schlafprobleme und schiebt Dinge auf, weil man keine Lust hat“, erklärt die Psychologin Judith Klenter. Dieser Gemütszustand nennt sich Bore-out. 

 

„Ein Bore-out wird durch einen Mangel an qualitativ und quantitativ anspruchsvollen Aufgaben verursacht und geht auch mit körperlichen Auswirkungen einher”, erklärt Judith.

 

Am besten lässt es sich mit chronischer Langeweile” beschreiben, erklärt die französische Assistenzprofessorin Lotta Harju gegenüber der BBC.

 

Wie bekommt man ein Bore-out? 

 

Ähnlich wie beim Burn-out ist auch die chronische Langeweile oft eine Kombination von unterschiedlichen Faktoren. „Der Hauptgrund ist ein Gefühl der Sinnlosigkeit. Das Gefühl, dass die Arbeit unbedeutend ist, keinen Zweck erfüllt und keine Bedeutung hat. Oder es trägt nicht zu den persönlichen Zielen bei”, erklärt Judith.

 

„Ein Bore-out tritt häufig bei Menschen auf, die Routinearbeiten verrichten”, so die Psychologin weiter. „Kenntnisse und Fähigkeiten werden vielleicht nicht ausreichend gefordert oder man hat Aufgaben, die einen nicht ausreichend fordern. Die Arbeit wird dann langweilig und eintönig.”

 

In diesem Fall ist es schwierig, in einen produktiven Flow zu kommen. Genau dieser Flow ist allerdings eine Quelle der Zufriedenheit und des Glücks.

 

Was kann man dagegen tun? 

 

Während ein Burn-out die geistige Leistungsfähigkeit überfordert, unterfordert das Bore-out dein Gehirn.

 

„Auch wenn man die Energie hat, um eine Aufgabe zu erledigen, fühlt man sich nicht konzentriert und motiviert genug, um sie zu erledigen.”, erklärt Judith. Das wirkt sich auf deine geistige Gesundheit und dein Selbstvertrauen aus.

 

So verrückt es auch klingen mag: Langeweile kann zu Stress führen. Das wirkt sich auf unsere Emotionen, unsere Leistung und die Qualität unserer Arbeit aus.

 

Tipps gegen Langeweile bei der Arbeit 

 

Deine Arbeit ist wenig anspruchsvoll? Damit musst du dich nicht zufriedengeben. Die folgenden drei Ratschläge helfen dir dabei, Langeweile und Bore-out bei der Arbeit zu bekämpfen.

 

Darüber sprechen

 

Über seine Gefühle und Gedanken zu sprechen, wirkt befreiend. Es bringt dich auf Ideen und neue Einsichten. Außerdem ist es wichtig, andere wissen zu lassen, wie es dir geht.

 

Wenn du offen über deine Gefühle und Schwierigkeiten sprichst, kann man dir helfen, eine Lösung zu finden. Ein Tipp könnte zum Beispiel sein, deine Aufgaben anders zu verteilen oder mehr Sinn in deiner Arbeit zu finden.

 

📖 Mehr lesen: Wie führt man ein Gespräch über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?

 

Etwas Neues lernen

 

Etwas Neues zu lernen stärkt dein Selbstvertrauen und gibt dir ein Ziel vor Augen. Das ist genau das Richtige, wenn dir langweilig ist oder du ein mentales Tief hast. Mache einen Online-Kurs, tue etwas, das du schon immer tun wolltest, lerne eine neue Sprache oder teste eine neue Sportart.

 

„Etwas Neues zu tun, ist gut für unser geistiges Wohlbefinden. Es kurbelt unseren Dopaminspiegel an und gibt uns das Gefühl, etwas erreicht zu haben”, sagt Judith.

 

Du weißt nicht, wo du anfangen sollst oder dir fehlt die Energie dazu? „Mach dir den Anfang so einfach wie möglich und beginne Schritt für Schritt”, rät Judith. „Denke daran, dass du etwas tun willst, das dir Freude bereitet.”

 

Die Komfortzone verlassen

 

Sich selbst herauszufordern ist nicht einfach. Dennoch ist es wichtig, ein gewisses Gefühl von positivem Stress und Aufregung in deinem Leben zu schaffen.

 

Versuche, Aufgaben zu finden, die dir ein gutes Kribbeln im Bauch bescheren und gleichzeitig machbar sind. Das kann sowohl ein privates, als auch berufliches Projekt sein. Finde zusammen mit deinen Vorgesetzten Aufgaben, die dich bei der Arbeit mehr fordern.

 

Ein Schiff im Hafen ist sicher

 

Es ist völlig normal, einen Tag zu haben, an dem du weniger motiviert bist als üblich oder keine Energie hast. Hast du jedoch das Gefühl, dass dein psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt ist? Dann sprich mit Freund*innen, Kolleg*innen oder Psycholog*innen darüber und finde deine positive Energie wieder.

 

Der amerikanische Theologe William Shedd sagte nicht umsonst: „Ein Schiff im Hafen ist sicher, aber dafür sind Schiffe nicht gebaut.”

 

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