Panikattacken: 9 häufige Symptome und deren Behandlung

12 Sep ‘22
6 min
Annemarie Andre
Überprüft von Psycholog*in Emma White
Eine Frau steht mit aufgespanntem Regenschirm im Sturm.
Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen der Deutschen. Etwa 15,4 % leiden jährlich an einer Form der Angststörung – dazu gehören auch Panikattacken. Im Laufe ihres Lebens sind 1 bis 5 % der Bevölkerung von einer Panikstörung betroffen. Vorsorge ist besser: Lerne die Symptome von Panikattacken kennen.

 

In diesem Artikel erfährst du, woher Panikattacken eigentlich kommen, wie du die Symptome von Panikattacken erkennen kannst und wie du mit der richtigen Technik frühzeitig vorbeugen kannst.

 

Woher kommen Panikattacken?

 

Gleich vorweg: Panikattacken haben oft keinen speziellen Auslöser. Allerdings treten sie eher auf, wenn du Angst hast, schon länger gestresst bist oder dich ungelöste Probleme belasten. 

 

Angst ist eine natürliche menschliche Reaktion, die auftritt, wenn du das Gefühl hast, bedroht zu sein”, sagt Psychologin Emma White. Die meisten Menschen fühlen sich von Zeit zu Zeit ängstlich. Als psychisches Problem wird Angst dann eingestuft, wenn sie deine Fähigkeit belastet, das Leben so zu gestalten, wie du willst”, so White.

 

Eine Panikattacke ist eine extreme Form der Angstreaktion. Sie kann dich während des Urlaubs treffen, aber auch – ganz unspektakulär – abends auf dem Sofa. Wenn du dann eine solche Panikattacke hinter dir hast, macht sich die Angst vor der Panik breit. Die Angst davor, diese Situation erneut zu erleben. Das führt dazu, dass sich Probleme manifestieren und du gewissen Dingen aus dem Weg gehst und dadurch dein Leben nicht mehr so führen kannst, wie du willst.

 

Dein Lebensstil kann Panikattacken ebenfalls begünstigen. Ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und Sport sind gut für deinen Körper und machen dich widerstandsfähiger gegen Stress. Alkohol, Nikotin, Koffein und Drogen solltest du eher vermeiden, wenn du zu Panikattacken neigst und öfter unter Angstzuständen leidest. 

 

Auch genetische Veranlagung, Persönlichkeitsstruktur, Kindheitserfahrungen (z.B. überfürsorgliche Eltern, unbefriedigte Bedürfnisse) und bisherige Erfahrungen mit Krankheit wie z.B. ein erlebter Herzinfarkt spielen eine Rolle. Panikattacken sind also ein ganz spezieller Cocktail und nur schwer auf eine einzige Sache zurückzuführen. Die Symptome von Panikattacken zu erkennen, kann dir deshalb dabei helfen, die Ruhe zu bewahren. 

 

Vorsorge ist wie so oft besser als Nachsorge. Lerne hier Methoden kennen, die dir dabei helfen, Stress in etwas Positives zu verwandeln.

 

Was tut sich bei einer Panikattacke im Körper?

 

Eine Panikattacke fühlt sich wesentlich schlimmer an, als es eigentlich ist. Meistens erreicht sie nach 10 Minuten ihren Höhepunkt und hört nach 30 Minuten wieder auf. Während manche Menschen nur wenige Male im Leben davon betroffen sind, erleben einige Personen täglich Panikattacken.

 

Obwohl sie schwer auszuhalten sind, sind sie eigentlich komplett ungefährlich. Evolutionär gesehen sind Panikattacken sogar gut. Sie versetzen uns in Alarmbereitschaft und warnen uns vor gefährlichen Situationen. Doch wie kannst du eine Panikattacke erkennen?

 

Eine Panikattacke sorgt für eine Kettenreaktion im Körper. Das Stresshormon Adrenalin wird ausgeschüttet, die Gefäße werden enger, der Herzschlag beschleunigt sich, mehr Blut wird durch die Adern gepumpt und die Muskeln spannen sich an.

 

Dadurch fühlst du ein beklemmendes Gefühl in der Brust und hast dadurch das Gefühl, nicht mehr gut atmen zu können. Wir haben die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken aufgelistet, die dir dabei helfen werden, eine Panikattacke als solche zu erkennen und die Ruhe zu bewahren.

4-7-8-Atmung bei Panikattacken

Atme langsam durch die Nase ein und zähle dabei bis 4, halte dann den Atem während du bis 7 zählst und atme dann kräftig durch den Mund aus während du bis 8 zählst.

Das sind die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken

 

Durch die bereits beschriebene Kettenreaktion im Körper entsteht bei dir das Gefühl, weglaufen zu wollen und eventuell sogar Todesangst. Das Wehren gegen die Panikattacke führt allerdings oft dazu, dass sich die Situation verschlimmert.

 

Indem du lernst, eine Panikattacke zu erkennen, kannst du auch die richtigen Maßnahmen setzen, die dir beim Überwinden helfen. Hier die 9 häufigsten Symptome von Panikattacken:

 

1. Herzrasen

Eines der häufigsten Symptome einer Panikattacke ist Herzrasen. Der Puls erhöht sich und das Herz schlägt einem buchstäblich bis zum Hals. Manche erfahren auch ein Herzstolpern oder einen unregelmäßigen Herzschlag. Im Zweifelsfall solltest du solche Symptome medizinisch abklären lassen. So kannst du sicher sein, dass du gesund bist und dich Angstgefühle herausfordern.

 

2. Engegefühl in Hals und Brust

Durch die starke innere Anspannung zieht sich auch die Brustmuskulatur zusammen. Menschen, die eine Panikattacke erfahren, fühlen daher oft ein Engegefühl, Stechen oder Brennen in der Brust und haben daher die Angst, dass sie einen Herzinfarkt erleiden. Auch hier gilt: Besser mal das Herz medizinisch abchecken lassen, um diese Ursache ausschließen zu können.

 

3. Atemnot

Durch das Engegefühl in der Brust treten auch Atembeschwerden auf. Personen, die eine Panikattacke erleben, haben das Gefühl, nicht mehr gut atmen zu können und sind kurzatmig. Durch die Angst zu ersticken tritt manchmal eine Hyperventilation ein. Atemübungen können dir dabei helfen, diese Symptome zu bewältigen. Durch das Beherrschen einiger wirksamer Techniken fühlst du dich außerdem stärker, Situationen wie diese meistern zu können.

 

4. Schweißausbrüche

Von Hitzewellen und Schweißausbrüchen bis hin zu Kälteschauern und Schüttelfrost: Die Symptome bei einer Panikattacke reichen weit. 

 

5. Bauchschmerzen und Durchfall

Angst schlägt vielen auf den Magen. Menschen, die unter Angststörungen leiden, schildern sowohl Übelkeit und Bauchschmerzen, als auch Blähungen und Durchfall.

 

6. Schwindelanfälle

Plötzlich eintretendes Augenflimmern und Schwindel gehören ebenfalls zu den häufiger auftretenden Symptomen einer Panikattacke. Betroffene haben daher Angst, die Kontrolle zu verlieren und ohnmächtig zu werden.

 

7. Trockener Mund

Was hat nun ein trockener Mund mit einer Panikattacke zu tun? Das ist eigentlich ganz einfach: Durch die Aufregung vermindert sich der Speichelfluss. Zudem atmen Menschen bei einer Panikattacke oft durch den Mund, wodurch trockene Luft in den Rachenraum gelangt. Schluckbeschwerden sind daher ein weiteres Symptom einer Panikattacke.

 

8. Kopfschmerzen

Ob matschiges Gefühl im Kopf, Gehirnnebel oder starker Druck: Eine Panikattacke macht sich auch oft im Kopf bemerkbar und sorgt bei vielen Menschen für Kopfschmerzen.

 

9. Kribbeln und Taubheitsgefühle

Ein unangenehmes Kribbeln, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen oder starker Juckreiz? Auch an diesen Symptomen kannst du eine Panikattacke erkennen, denn sie wirkt sich ebenfalls auf die Haut aus. 

 

Wie kannst du Panikattacken bewältigen?

 

Obwohl eine Panikattacke im Grunde schnell vergeht, fühlt sie sich so an, als würde sie ewig dauern. Die gute Nachricht: Durch das Erlernen einiger Techniken kannst du lernen, eine Panikattacke zu bewältigen und es nicht noch schlimmer zu machen.

 

Wehre dich nicht dagegen, wenn du die Symptome einer Panikattacke erkennst, sondern akzeptiere den Zustand. Mach dir klar, dass dein Leben nicht in Gefahr ist und dieser Angstzustand wieder vergehen wird.

 

Am besten bleibst du, wo du gerade bist und versuchst dich, auf etwas zu konzentrieren wie einen vertrauten Gegenstand oder einen Fixpunkt im Raum. Wenn du in Begleitung von Freund*innen bist, sprich mit ihnen darüber und sorge dafür, dass sie mit dir über belanglose Dinge quatschen.

 

Eine ruhige Atmung hilft ebenfalls beim Kontrollieren der Emotionen. Versuche daher, dich bei einer Panikattacke besonders darauf zu konzentrieren.

 

Du kannst die 4-7-8-Atmung praktizieren, um wieder zur Ruhe zu kommen. Atme langsam durch die Nase ein und zähle dabei bis 4, halte dann den Atem während du bis 7 zählst und atme dann kräftig durch den Mund aus während du bis 8 zählst. Durch der Fokus auf das Ausatmen, verlangsamt sich dein Atemrhythmus und deinem Körper wird dadurch signalisiert, zu entspannen. 

 

Wenn du bereits in Panik bist, fällt es natürlich schwer, plötzlich eine Atemübung zu machen. Daher lohnt es sich, diese Techniken präventiv zu lernen, sodass du dann im Notfall ganz natürlich darauf zurückgreifen kannst. Hier lernst du 3 Atemübungen kennen, die dich sofort beruhigen werden (und nur 5 Minuten dauern).

 

Wie sehen die Symptome danach aus?

 

Nach einer Panikattacke fühlen sich Menschen müde und erschöpft – wie nach einer körperlichen Tätigkeit. Ruhe dich danach am besten gut aus. Diese 6 Tipps, die deinem Körper dabei helfen, sich von Stress zu erholen, können dir ebenfalls helfen.

 

Oft hilft es auch, jemandem, dem du vertraust, davon zu erzählen und es gemeinsam zu besprechen. Besonders hilfreich kann es sein, zu fragen, ob jemandem etwas an dir auffällt, bevor du eine Panikattacke bekommst und wie du dir wünschst, dass dir geholfen wird”, empfiehlt Psychologin White.

 

Wenn du unsicher bist, ob du die Symptome richtig erkannt hast und nicht doch ein gravierendes Problem vorliegt, kannst du immer einen Termin bei deinem Hausarzt vereinbaren.

 

Wichtig ist auch, bestimmte Orte nach einer Panikattacke nicht zu vermeiden. Denn dadurch wird die Angst nur noch schlimmer und weitet sich im Zweifelsfall auf andere Orte oder Lebensbereiche aus.

 

Was kann ich langfristig gegen Panik tun?

 

Eine Therapie kann dir dabei helfen, mit Angstzuständen umzugehen. In einem 1:1 Gespräch mit Psycholog*innen lernst du Techniken kennen, die dir ganz individuell beim Bewältigen einer Panikattacke helfen.

 

Zögere nicht, dir professionelle Unterstützung zu holen. Denn bei einem gebrochenen Arm würdest du doch auch zum Arzt gehen, oder? 

 

Wie immer gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Beginne daher bereits, wenn du mit den ersten Herausforderungen konfrontiert bist und nicht, wenn das Problem zu einem Riesen herangewachsen ist.

 

Wenn du zu Panikzuständen neigst, kannst du deinen Lebensstil anpassen. Sport wirkt sich zum Beispiel positiv aus, denn du lernst, dass ein höherer Puls auch eine normale Reaktion deines Körpers sein kann. Du wirst dadurch resilienter und übernimmst die Führung über dein Leben.

 

Auch Techniken zur Stressbewältigung, Entspannungsübungen und Achtsamkeit helfen dir bereits frühzeitig, mit stressigen Situationen umzugehen und eine Panikattacke leichter zu bewältigen. Bei OpenUp kannst du Achtsamkeit in Einzelsitzungen oder in einer Gruppeneinheit lernen.