Die Hummer-Analogie: Wenn du wachsen willst, musst du aus deiner Schale ausbrechen

29 Aug ‘22
5 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Madelief Falkmann
lobster growth
Wenn es um persönliches Wachstum geht, können wir eine Menge von Hummern lernen. „Von Hummern?“, fragst du. Ja, von Hummern. Wenn ein Hummer wächst, bricht er aus seiner Schale aus. Das bedeutet, dass er Risiken eingeht und sich angreifbar macht. Das braucht Zeit. Und wenn der Hummer seinen Wachstumsschub hinter sich hat, ist er größer und stärker als zuvor. 

 

Die harte Schale des Hummers wächst nicht, aber der Hummer selbst tut es. Wenn der Hummer so groß wird, dass seine Schale unbequem wird, bricht er aus und eine neue, weiche Schale erscheint. Er wartet unter einem Felsen bis seine neue Schale hart und sicher genug ist, um in die große weite Welt hinauszutreten.

 

Unbehagen führt zu Wachstum

 

In diesem Video erklärt der Rabbi Dr. Abraham Twerski, was wir daraus lernen können: Der Anreiz für den Hummer, zu wachsen, ist ein Gefühl des Unbehagens. Zeiten des Stresses sind Zeiten, in denen wir wachsen können. Wenn wir mit Herausforderungen richtig umgehen, sind wir in der Lage, durch Herausforderungen zu wachsen.

 

Der Hummer lehrt uns auch, dass Risiken für das Wachstum unerlässlich sind, dass jede Phase unseres Lebens eine neue Struktur erfordert und dass Zeiten des Wandels verletzliche Zeiten sind. Auf alle drei Punkte werden wir in diesem Artikel eingehen.

 

Wachstum birgt Risiken

 

Wie für Hummer gilt auch für Menschen, dass Unbehagen zu Wachstum führt. Ein Hummer muss aus seinem Panzer klettern, um zu wachsen, und der Mensch muss aus seiner Komfortzone heraustreten. Außerhalb unserer Komfortzone zu sein ist nicht das angenehmste Gefühl, aber genau hier entwickeln wir uns als Menschen weiter und erwerben neue Fähigkeiten und Kenntnisse.

 

Menschen, die aus ihrer Komfortzone heraustreten, werden als Menschen mit einer Wachstumsmentalität bezeichnet. In einem früheren Artikel erklärt Psychologin Madelief Falkmann: „Menschen mit einer wachstumsorientierten Denkweise haben das Gefühl, dass es Spaß macht und wertvoll ist, sich als Mensch zu entwickeln. Das bedeutet, dass sie schneller wachsen. Menschen mit einer fixen Denkweise konzentrieren sich lieber auf das, was sie schon können und bleiben in ihrer Komfortzone. Das hat zur Folge, dass ihre Entwicklung eher ins Stocken gerät. Sie wählen den sicheren Weg.“

 

Glücklicherweise kannst du – genau wie ein Hummer – lernen, deine vertraute Umgebung zu verlassen und Schritte in Richtung des aufregenden Unbekannten, und damit des Wachstums, zu machen. Hier findest du sechs Tipps.

VanMoof CEO Taco Carlier über Unbehagen

Dank einer Reihe von Investitionsrunden wächst VanMoof, der niederländische Hersteller von beliebten minimalistischen E-Bikes, seit 2017 ungemein. Aber das Unternehmen kann dieses Wachstum nicht wirklich aufrechterhalten, behauptet das Financieel Dagblad

 

Aufgrund von Herstellungsfehlern gingen im vergangenen Jahr 30.000 Beschwerden beim Customer Support Team ein und die Kund*innen mussten monatelang auf die Reparatur ihrer Fahrräder warten.

 

CEO Taco Carlier sieht in diesen Hindernissen nur weitere Wachstumschancen. Im Gespräch mit MT/Sprout sagt er: „Versuche es weiter und akzeptiere, dass Versuch und Irrtum Teil des Prozesses sind. Auf diese Weise lernt man eine Menge, indem man Dinge einfach tut. Neue Chancen ergeben sich auch aus Fehlschlägen. Das bedeutet, dass man aufhören muss, an sich selbst zu zweifeln und in Bewegung bleiben muss. Wenn du nicht in Bewegung bleibst, wirst du dich in all dem verzetteln.“

Jede Phase erfordert eine neue Struktur

 

Wenn der Hummer sich innerlich verändert, muss er auch seine Schale wechseln. Das gilt oft auch für Menschen. Natürlich nicht wörtlich, aber im übertragenen Sinne: Wenn sich deine häusliche Situation, Gesundheit, Fähigkeiten oder Ziele ändern, musst du oft auch deine Lebensstruktur verändern.

 

Wenn sich deine familiäre Situation ändert, musst du vielleicht deine Arbeitszeiten anpassen. Wenn du Führungsqualitäten entwickelst, möchtest du vielleicht in einer höheren Position in deinem Unternehmen arbeiten. Wenn es dein Ziel ist, zur Bekämpfung der Klimakrise beizutragen, solltest du vielleicht den Arbeitsplatz wechseln.

 

Ein Hummer passt sich ganz leicht an: Um seine Schale abzuwerfen, wenn sie zu klein wird, braucht er höchstens eine halbe Stunde Wackeln und Knacken. Beim Menschen ist das ein wenig anders. Die Bewältigung von Veränderungen erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Aber auch darin kannst du dich im Laufe der Zeit verbessern. 

 

In Zeiten des Wandels bist du verletzlich

 

Nachdem der Hummer seine Schale losgelassen hat, dauert es zwei Tage, bis ihm eine neue wächst. Und zwei Tage ohne jeden Schutz sind eine lange Zeit! In dieser Zeit könnte der Hummer leicht zu einer Mahlzeit für einen der Raubfische im Ozean werden. Aber der Hummer weiß, dass er keine andere Wahl hat. Er muss das Risiko auf sich nehmen. Sonst wird er nie wachsen.

 

Auch für Menschen gilt, dass Verletzlichkeit und Wachstum Hand in Hand gehen. In ihrem TED-Talk erklärt die Forscherin Brené Brown: „Menschen, die sich verletzlich zeigen, sind diejenigen, die es wagen ‚Ich liebe dich’ zu sagen, in eine Beziehung zu investieren, die funktionieren kann oder auch nicht und um Hilfe zu bitten, wenn sie krank sind.“

 

Verwundbarkeit bedeutet, sich für die Ungewissheit zu entscheiden

 

Du bist dir nicht sicher, wie das Ergebnis aussehen wird. Nehmen wir an, du sitzt in einem Meeting und stellst fest, dass ein Projekt in eine andere Richtung gehen muss. Wenn du dich entscheidest, deine Meinung zu äußern, machst du dich angreifbar: Vielleicht sind deine Kolleg*innen anderer Meinung als du. Aber wenn du nichts sagst, besteht keine Chance, dass sich etwas ändert.

 

Das gilt nicht nur für kleine Ereignisse in deinem Leben wie das Äußern deiner Meinung in Meetings, sondern auch für größere Entwicklungen: Egal, ob du den Arbeitsplatz wechselst, dein Studium aufgibst – um ein Unternehmen zu gründen – oder dich entscheidest, ein Kind zu bekommen. Es gibt keine Garantie dafür, dass alles klappt, aber wenn du nicht den ersten Schritt machst, wird nichts passieren.

 

Versuche also wie ein Hummer sein. Nutze das Unbehagen als Chance zum Wachstum und nimm die Verletzlichkeit an, die du in dieser Zeit spürst. Am Ende wirst du gestärkt daraus hervorgehen.