Die Investition in psychisch gesunde Mitarbeitende entspricht Investition in Wachstum, wie funktioniert das?

25 May ‘22
5 min
OpenUp Redaktion
Wenn wir dir erzählen, dass es eine Geldanlage für dein Unternehmen gibt, die eine durchschnittliche Rendite von 500 Prozent erzielt, dann würdest du dich sicherlich darum reißen. Nun, die gibt es tatsächlich. Studien von Deloitte haben gezeigt, dass sich Investitionen in Programme für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fünffach (und direkt) auszahlen. Und dabei haben diese Studien noch nicht einmal berücksichtigt, dass die Investitionen auch für gesunde und glückliche Mitarbeitende sorgen.

 

Aber warum ist es so eine gute Idee, in die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden zu investieren? Und was kannst du als Unternehmen tun, um in die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu investieren?

 

1.  Psychisch gesunde Mitarbeitende haben weniger Fehlzeiten

 

27 Prozent aller Fehltage stehen im Zusammenhang mit psychischen Problemen wie Burnout oder Überforderung. Abgesehen davon, dass psychische Beschwerden natürlich für den Mitarbeitenden selbst nicht angenehm sind, kosten sie den Arbeitgeber viel Geld.

 

Wie viel kostet die Abwesenheit eines Mitarbeiters pro Tag?

 

Ein abwesender Mitarbeitende kostet zwischen 250 € und 400 € pro Tag. Dieser Betrag setzt sich wie folgt zusammen:

€150,-: Lohnfortzahlung, abhängig vom Gehalt

€150,-: Kosten für die Vertretung, abhängig vom Gehalt

€40,-: Geschätzter Produktionsverlust

€60,-: Kosten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (niederländischer Arbodienst)

 

 

  

2. Psychisch gesunde Mitarbeitende sind kreativer und innovativer

 

Studien von BetterUp in den Vereinigten Staaten haben gezeigt, dass Mitarbeitende, denen es nicht so gut geht, Schwierigkeiten damit haben, kreativ und innovativ zu sein. Aber auch das Gegenteil gilt: glückliche Mitarbeitende sind tatsächlich kreativer und innovativer.

 

Das liegt daran, dass kreatives Denken, das Hinterfragen bestehender Vorstellungen und gedankliche Experimente mehr Gehirnleistung erfordern, als wenn man dem Status Quo folgt. Wenn dein Kopf voller Sorgen ist, hast du einfach nicht die nötigen geistigen Kapazitäten. Das blockiert den kreativen Prozess.

 

3. Bessere psychische Gesundheit = weniger Präsentismus

 

Nicht nur abwesende Mitarbeitende kosten Geld. Dasselbe gilt auch für Mitarbeitende, die zwar anwesend sind, aber nur wenige ihrer Aufgaben erledigen können, weil sie sich nicht gut fühlen. Dieses Phänomen wird als Präsentismus bezeichnet: Mitarbeitende sind gestresst, müde oder unmotiviert, aber dennoch körperlich am Arbeitsplatz anwesend. Weil sie (das Gefühl haben, dass sie) müssen.

 

Unterschätze dieses Phänomen nicht. Laut Deloitte sind die Kosten, die von Präsentismus verursacht werden, viermal so hoch wie die von Absentismus. Letztendlich führt Präsentismus oft auch zu Absentismus, da sich Müdigkeit und Stress unter der Oberfläche so lange weiter aufstauen, bis der Mitarbeitende nicht mehr kann.

 

4. Wenn sich Mitarbeitende wohlfühlen, kündigen sie nicht

 

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende kündigen, ist geringer, wenn sie sich bei der Arbeit wohlfühlen. Eine Kündigung kostet doppelt. Nicht nur das Wegfallen des Mitarbeitenden und seiner Kenntnisse und Fähigkeiten sind ein Verlust, auch das Einstellen und Einarbeiten neuer Mitarbeitenden ist teuer. Vorbeugen ist besser!

 

Wie investiert man in psychische Gesundheit (und Wachstum)?

 

Die verschiedenen Möglichkeiten, in die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden zu investieren, können in reaktiv (du hilfst einem Mitarbeitenden, nachdem er psychische Beschwerden entwickelt hat), proaktiv (du hilfst einem Mitarbeitenden, um zu verhindern, dass er psychische Beschwerden entwickelt) und unternehmensweiten Kulturwandel (du sorgst für eine gesunde Unternehmenskultur und für Bewusstsein rund um psychische Gesundheit) eingeteilt werden.

 

Die durchschnittliche ‘Kapitalrendite’ hiervon beträgt 3 €, 5 € bzw. 6 € pro investiertem Euro. Aber es geht natürlich um Menschen und ihre Gesundheit und das ist noch viel mehr wert als Geld. Gerade deshalb ist es schön zu sehen, dass Investitionen in Menschen und ihre Gesundheit auch Investitionen in das eigene Unternehmen sind.

 

Im Allgemeinen werden die größten (finanziellen) Vorteile mit den folgenden Arten von Programmen erzielt:

 

  1. Programme, die groß angelegte kulturelle Veränderungen innerhalb des Unternehmens voranbringen, und Programme, die eine große Anzahl von Mitarbeitenden im gesamten Unternehmen betreffen;
  2. Programme zur Prävention und Stärkung der Resilienz der Mitarbeitenden;
  3. Programme, die auf technische und diagnostische Methoden vertrauen, um Hilfsangebote auf diejenigen zuzuschneiden, die sie am dringendsten benötigen.

 

Das ultimative Ziel dieser Programme ist es, ein Gleichgewicht zwischen ‘beruflichen Anforderungen’ (was das Unternehmen von einem Mitarbeitenden verlangt) und ‘beruflichen Ressourcen’ (die Ressourcen, die der Mitarbeitende erhält, um diese Anforderungen zu erfüllen) herzustellen, wie es das Job Demands-Resources-Modell beschreibt. Denn, wenn dieses Gleichgewicht stimmt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Mitarbeitende aufgrund psychischer Probleme ausfallen.

 

Hier einige Tipps:

 

1. Biete den Mitarbeitenden Zugang zu On-Demand-Selbsthilfeprogrammen

 

Auf diese Weise kann der Mitarbeitende jederzeit selbst damit beginnen, sich um seine eigene psychische Gesundheit zu kümmern. OpenUp bietet verschiedene Programme an, zum Beispiel zu gesundem Schlaf, Stressbewältigung, Selbstvertrauen und Umgang mit Konflikten. Aber auch andere Anbieter wie Headspace, Calm und Lepaya eignen sich hierfür. Die Wahl, von solchen Programmen Gebrauch zu machen, liegt beim Mitarbeitenden. Dies vergrößert das Gefühl der Autonomie.

 

2. Ermögliche den Mitarbeitenden Zugang zu Einzelgesprächen mit einem Psychologen/ einer Psychologin

 

Präventive Gespräche mit Psycholog*innen können oft verhindern, dass Mitarbeitende aufgrund von psychischen Problemen ausfallen. Es hilft Menschen dabei, ihre derzeitigen Gewohnheiten und Arbeitsweisen zu hinterfragen und neue, effektivere Methoden zu entwickeln. Eine nachweislich effektive Investition.

 

3. Nutze ein Diagnostik- oder Screening-Tool, um die Bedürfnisse zu untersuchen

 

Damit du deine Herangehensweise besser an den Bedürfnissen innerhalb des Unternehmens ausrichten kannst, solltest du untersuchen, worin genau diese Bedürfnisse bestehen. Möchtest du wissen, wie das geht? Lies dann diesen Artikel [link OpenUp artikel duurzame inzetbaarheid, daar wordt WTO uitgebreid besproken].

 

4. Investiere in Sensibilisierung

 

Die Sensibilisierung für das Thema psychische Gesundheit fällt in die Kategorie ‘unternehmensweiter Kulturwandel’ und bringt einen hohen ‘Kapitalertrag’ mit sich. Bist du Personalleiter/in? Sei ein Botschafter/in für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

 

5. Beauftrage einen Gesundheitscoach

 

Körperliche Gesundheit fördert die psychische Gesundheit. Lade deshalb einen Gesundheitscoach ein, der deinen Mitarbeitenden etwas zu gesunder Ernährung, Schlaf und Bewegung beibringt. Indirekt kann dies deinen Mitarbeitenden auch dabei helfen, ihre psychische Gesundheit in Angriff zu nehmen. Körperliche Gesundheit ist nämlich greifbarer und ein weniger empfindliches Thema. Daran zu arbeiten, kann ein Sprungbrett für die Arbeit an der psychischen Gesundheit sein.

 

6. Biete Unterstützung bei der Verwaltung von Finanzen

 

Finanzangelegenheiten können manchmal Stress verursachen. Unterstütze Mitarbeitende dabei, ihre Finanzangelegenheiten in Ordnung zu bringen (und zu halten) und biete zum Beispiel Schulungen mit einem Finanzcoach an.

 

7. Schaffe eine stressfreie physische Umgebung

 

Ausreichend Tageslicht, viel Grün, genügend ruhige Arbeitsplätze, gute Luftqualität, eine angenehme Temperatur und wenig Lärm wirken stressmindernd. Die Wirkung einer angenehmen Arbeitsumgebung auf die psychische Gesundheit sollte nicht unterschätzt werden. Diese ist enorm!

 

8. Schule Führungskräfte

 

Wenn es um psychische Gesundheit von Mitarbeitenden geht, haben Führungskräfte die Fäden in der Hand. Schule sie darin, Anzeichen psychischer Beschwerden zu erkennen und auf Mitarbeitende zuzugehen, denen es nicht gut geht.  Dies ist entscheidend für das Schaffen eines sicheren Umfeldes, in dem sich Mitarbeitende darin bestärkt fühlen, ihre psychischen Beschwerden in Angriff zu nehmen.

 

9. Beauftrage eine/n unternehmenseigene/n Psycholog/in

 

Laut McKinsey bieten immer mehr Arbeitgeber psychologische Unterstützung vor Ort an. So werden Reisezeit und Behandlungskosten eingespart.

 

 

Mehr lesen? Lesen Sie hier das Interview mit Lara Herpers, Leiterin Menschen & Kultur @ Team5pm. 👉 „Aufmerksamkeit für das psychische Wohlbefinden muss im gesamten Unternehmen verankert sein.“