Quiet Quitting: Was versteckt sich hinter dem neuesten Trend der Arbeitswelt?

Annemarie Andre
Ein Mann hält einen Aktenkoffer und schaut vorsichtig über seine rechte Schulter.
Lange war es Voraussetzung, im Job die berühmte Extrameile zu gehen und sich durch unbezahlte Überstunden nach oben zu arbeiten. Eine neue Debatte – ausgelöst durch den TikToker „zaidleppelin” – stellt diese Denkweise in Frage. Ist „Quiet Quitting” tatsächlich eine indirekte Kündigung oder vielmehr das Ziehen gesunder Grenzen?

 

„Die Arbeit ist nicht dein Leben”, sagt der TikToker in seinem Video. Ein Satz, der weltweit in den Medien für Aufregung sorgte. Während die einen darunter eine gesunde Work-Life-Balance und Self Care verstehen, bezeichnen andere dieses Verhalten als faul und ambitionslos. Doch was versteckt sich hinter dieser ganzen Debatte?

 

Quiet Quitting vs. Hustle Culture

 

Der Begriff „Quiet Quitting” bedeutet, seinen Job nicht direkt zu kündigen, sondern langsam mit der „Hustle Culture” Schluss zu machen. Also damit aufzuhören, mehr zu tun, als notwendig. Du gehst also noch deinen Aufgaben nach, aber löst dich von der Idee, dass die Arbeit dein Leben ist und dein Selbstwert davon abhängig ist.

 

Das bedeutet allerdings nicht, eine faule Kugel zu schieben – wie häufig kritisiert. Auch „Quiet Quitters” erbringen gute Leistungen, aber eben in der Arbeitszeit und nicht darüber hinaus.

 

Aber was ist mit dem Finden der eigenen Bestimmung in der Arbeit? Und natürlich auch mit dem Spaß an der Sache? 

 

Arianna Huffington, Founder und CEO von Thrive, hat sich dazu auf LinkedIn geäußert: „Quiet quitting ist nicht nur eine Kündigung des Arbeitsplatzes, sondern ein Schritt zur Kündigung des Lebens. Arbeit kann uns Sinn und Zweck geben. Sie ist ein Teil eines erfüllten Lebens.” 

 

Die Gründerin kritisiert, bloß das absolute Minimum zu tun. Gerade durch das Verschieben der Grenzen, würden wir uns als Menschen weiterentwickeln und wachsen.  

 

„Wir sollten die Hustle-Culture und Burnout unbedingt ablehnen. Aber die Ablehnung von Burnout bedeutet nicht, dass wir die Möglichkeit ablehnen, Freude an unserer Arbeit zu finden und unsere Arbeit zu lieben”, fährt Huffington fort. 

 

Statt des „Quiet Quittings” schlägt sie das „Joyful Joining” vor. Mitarbeitende, die nicht motiviert sind, sollten lieber den Arbeitsplatz wechseln und einen Job finden, der sie begeistert. Viele Unternehmen teilen Huffingtons Ablehnung des „Quiet Quittings”. Doch warum ist das so?

 

Wovor sich Unternehmen fürchten

 

Die Wirtschaft schwächelt, die Inflation steigt. Und Unternehmen fürchten sich vor sinkender Produktivität. In den USA ist die Produktivität der Arbeitnehmer*innen überall außer in der Landwirtschaft um 2,5 % gesunken. Das ist der stärkste jährliche Rückgang seit 1948. 

 

Viele Unternehmen machen sich nun auf die Suche nach der Ursache der mangelnden Produktivität und überlegen ebenfalls Maßnahmen wie eine Überwachung der Tastatur-Aktivität. Ein Hauptgrund könnte die Corona-Pandemie sein, die die Burn-out-Raten weltweit in die Höhe getrieben hat. 

 

Vor allem die Generation Z fühlt sich vom derzeitigen Arbeitsmarkt erschöpft, hat mit finanziellen Ängsten und anhaltend hohem Stressniveau zu kämpfen. Einer Deloitte-Studie zufolge wollen 40 % ihren Job deshalb in den nächsten zwei Jahren an den Nagel hängen. 

 

Teilnehmende der Studie finden ihren Job oftmals auch nicht so wichtig. Die Corona-Pandemie hätte sie dazu gezwungen, zu evaluieren, was in ihrem Leben wirklich Bedeutung hat.

 

Wie können Unternehmen diese Kluft schließen und Mitarbeitende langfristig motivieren? Der erste Schritt ist, zu verstehen, was sich künftige Generationen vom Arbeitsmarkt erwarten. 

 

Was zukünftige Generationen erwarten

 

Während frühere Generationen noch das Motto „Work hard, play hard” unterschrieben, priorisieren Millennials und Gen Z Jobs mit guter Work-Life-Balance. Bewegungen wie die des „Quiet Quittings” zeigen, dass sich Mitarbeitende gesunde Grenzen wünschen. Sie wollen für ihre Arbeit auch belohnt werden und sich nicht noch finanziell Sorgen machen müssen.

 

Für Unternehmen sind Debatten wie diese eine Chance, die eigene Arbeitskultur zu verändern. Denn nur wer langfristig für engagierte Mitarbeitende sorgt, schafft es, die Produktivität zu halten und neue Talente zu werben. Flexible Arbeitsformen, eine integrative Office-Kultur und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben stehen ganz oben auf der Prioritätenliste der jungen Generationen.

 

Auf langfristige Sicht gesehen werden Unternehmen ihre Standards anheben müssen, um dieser Generation gerecht zu werden – denn sie sind die Zukunft des Arbeitsmarkts.

 

Findest du diese Veränderungen herausfordernd und weißt noch nicht so recht, wie du damit als Unternehmen umgehen kannst? Erfahre hier mehr darüber, wie OpenUp dir dabei helfen kann, ein attraktiver Arbeitgeber für alle zu werden.