Kann das Streben nach Glück nach hinten losgehen?

15 Aug ‘22
3 min
Arianna Freni
happy person jumping
Fühlst du dich umso trauriger, je mehr du nach dem Glück strebst? Eine neue Studie untersuchte dieses sogenannte „Glücksparadox“ und erklärt, warum die obsessive Suche nach dem Glück uns stattdessen davon abhalten könnte, glücklich zu werden.

 

Wir alle haben ganz bestimmte individuelle Ziele und Träume in unserem Leben. Ob eine erfolgreiche Karriere, ein sicheres Zuhause und solides soziales Netzwerk, ein abenteuerlicher Lebensstil oder eine Kombination aus allen – das Ziel ist oft einfach glücklich zu sein.

 

Seltsamerweise bewirkt unser permanentes Streben nach dem Glück jedoch das Gegenteil und macht uns unglücklicher, so die Studie, die im wissenschaftlichen Journal Current Opinion in Behavioral Sciences“ veröffentlicht wurde.

 

Worum geht es in der Studie?

 

Ein Expertenteam der Psychologie, Zerwas und Ford, hat untersucht, wie das ständige Streben nach dem Glücklichsein unsere mentale Gesundheit negativ beeinflussen kann, sowohl kurzfristig als auch längerfristig.

 

Insbesondere veranschaulicht Zerwas das in einer Studie mit zwei Gruppen von Menschen, in der einer Test-Gruppe ein gefälschter Zeitungsartikel zum Thema Glück gezeigt wurde, um ihre Wertschätzung von Glück zu erhöhen.

 

Die andere Test-Gruppe las einen Artikel, der nichts mit Glück zu tun hatte. Danach schauten sich beide Gruppen das gleiche Video an. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen, die vorher gelernt hatten, das Glücklichsein zu schätzen, sich nach dem Film weniger glücklich fühlten als die Leute in der anderen Gruppe.

 

Wo liegt der Irrtum?

 

Das „Glücksparadox“ zeigt, dass wir bei zu starkem Fokus auf das Glücklichwerden leichter enttäuscht werden können, wenn wir uns nicht so glücklich fühlen wie eigentlich erhofft. Anders ausgedrückt, kann es uns manchmal helfen, geringere Erwartungen zu haben, um Glück in unser Leben zu lassen und einfach unsere Gefühle, (die kommen und gehen) zu akzeptieren.

 

Überdenke deinen Ansatz

 

Wie das Forscherteam erklärt gehen die Menschen das Glücklichwerden auf zwei Arten an:

  • „Das Streben nach Glück” – Glücklichwerden als Lebensziel

 

  • „Sorge um das Glück” – Sorgen und Bedenken, ob wir glücklich genug sind, überschatten das tatsächliche Glücksempfinden

Während die erste Tendenz relativ harmlos ist, stellt sich die zweite dem tatsächlichen Glücklichsein in den Weg, weil sie zu negativen Gefühlen und ständigen Enttäuschungen führt.

 

Außerdem fördert die Gesellschaft oft die irreführende Vorstellung, dass Glück jederzeit präsent sein muss um sich wohlzufühlen. Tatsächlich deutet die Forschung in eine andere Richtung.

 

Jede Emotion zu akzeptieren, egal ob sie positiv oder negativ ist, kann uns helfen, ein zufriedeneres Leben zu führen und uns insgesamt glücklicher zu fühlen. 

 

Loslassen

 

Wenn du dich fühlst als wärst du auf der hektischen Suche nach dem Glück festgefahren, könnten dir vielleicht diese wichtigsten Aspekte aus der Forschung helfen, davon loszukommen:

 

1. Überdenke deine Strategien des Glücklichwerdens und konzentriere dich auf das Positive in deinem Alltag. Versuche die kleinen Dinge wertzuschätzen: deine Umgebung, die Interaktionen mit deinen Liebsten, die Farben in der Natur oder der Geruch von frischem Brot. Denk daran, diese alltäglichen Freuden nicht als selbstverständlich anzusehen.

 

2. Achte auf deine negativen Gefühle und vermeide dabei, sie zu verurteilen. Akzeptiere sie und beobachte, wie sie aufkommen und wieder vorüberziehen. 

 

3. Hol dir psychologischen Rat: Arbeite gemeinsam mit Psycholog*innen, die dir dabei helfen können, die wirksamsten Übungen für deine individuelle Situation zu finden.

 

4. Praktiziere Mindfulness, um der hektischen Glückssuche zu entkommen und lerne Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber all deinen Gefühlen.

 

 

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