Der praktische Leitfaden zur Suche nach der eigenen Bestimmung

30 May ‘22
4 min
Lisanne van Marrewijk
Überprüft von Psycholog*in Eva Rüger

“Alle unsere Träume können wahr werden, wenn wir nur den Mut haben, sie zu verfolgen.” Das ist ein Zitat von Walt Disney und das Versprechen, mit dem viele von uns aufgewachsen sind. Du kannst alles werden, was du willst. Aber die Frage ist: Woher weiß man überhaupt, was man will? Wie kann man große Träume haben, wenn man nicht einmal weiß, wovon man träumt?

 

Jeder stellt sich von Zeit zu Zeit diese Frage: Was will ich im Leben? Die OpenUp-Psychologin Eva Rüger geht dieser Frage nach. Warum suchen wir so verzweifelt nach einer Antwort? Wie können wir sie finden? Und was, wenn man es nie ganz schafft?

 

Die Auswahl ist groß

 

Früher bestand die Welt hauptsächlich aus kollektivistischen Kulturen. Man war Teil einer Gemeinschaft und organisierte sein Leben nach den dort herrschenden sozialen Regeln. Heutzutage leben wir sehr viel individualistischer

 

Wir sind selbstständig, unabhängig und wählen unseren eigenen Weg. Daher hatten wir noch nie in der Geschichte der Menschheit so viele Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten wie heute. 

 

Auf der einen Seite ist diese Wahlfreiheit natürlich großartig. “Aber es bringt auch einen gewissen Druck mit sich”, sagt Eva. “Man hat das Gefühl, dass man alles aus seiner Situation herausholen muss. 

 

Außerdem war das Leben anderer Menschen noch nie so sichtbar wie heute (hallo Instagram, hallo LinkedIn). “Und das erzeugt auch Druck. Du siehst, wie andere scheinbar ihre Bestimmung gefunden haben, während du vielleicht noch auf der Suche bist”.

 

Warum suchen wir einen Sinn im Leben?

 

“Zu wissen, was man im Leben will, ist eigentlich ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Sie gibt dir Orientierung, Klarheit und hilft dir, Entscheidungen zu treffen”, erklärt Eva. 

 

“Meine Nichte hat zum Beispiel ihr ganzes Leben lang bewusste Entscheidungen getroffen, die ihr bei der Aufnahme eines Medizinstudiums helfen sollten. Sie ist jetzt im dritten Jahr!” Das ist etwas, wonach sich viele Menschen sehnen.

 

5 Schritte, die dir mehr Orientierung geben

 

Bevor du mit der Suche nach deinem Lebensweg beginnen kannst, gibt es einige praktische Dinge, die du tun kannst, um dir ein Bild von deiner Berufung zu machen.

 

1. Erstelle eine Visionstafel

 

Das mag banal klingen. Das ist es. Aber auch sehr wertvoll! Surfe im Internet oder blättere in einer gedruckten Zeitschrift und schneide die Dinge aus, die dich ansprechen, und füge sie zusammen. Auf einem großen Blatt Papier oder digital

 

Setze dir nicht zu viele Regeln, sondern schaue, wohin deine Gedanken dich führen. Nach einer Weile wirst du sehen, dass sich eine Geschichte entwickelt. Dass du anfängst, Muster zu erkennen. Das gibt dir Aufschluss darüber, wonach sich dein Herz wirklich sehnt. 

 

2. Scrolle durch deine sozialen Medien

 

Öffne deine sozialen Medien. Auf welche Geschichten und Bilder reagierst du? Was teilst du regelmäßig über dich selbst mit? Was reizt dich an anderen? Dies gibt dir auch Aufschluss über deine wirklichen Interessen.

 

Darüber hinaus solltest du herausfinden, welche deiner Kontakte dich bewundern oder welche du sogar insgeheim beneidest. Was reizt dich an ihnen? 

 

Möchtest du besser verstehen, was du im Leben wichtig findest? Dann setze dich für das ein, was dir wichtig ist (und lerne dich selbst besser kennen).

 

Eva: “Eine Freundin von mir folgte einer Reihe von Vanlifers auf Instagram. Jedes Mal, wenn sie sie sah, bekam sie Schmetterlinge im Bauch. Jetzt ist sie selbst stolze Besitzerin eines Wohnmobils! Toll, oder?”

 

Nebenbei bemerkt: Sei dir jedoch der Tatsache bewusst, dass in den sozialen Medien oft alles ein bisschen schöner aussieht, als es tatsächlich ist. 

 

3. Spreche mit den Menschen!

 

Nichts lehrt dir mehr darüber, wie es ist, ein bestimmtes Leben zu führen, als mit Menschen zu sprechen, die es tun. Beginne das Gespräch! Schicke also eine Nachricht an die Menschen, die du bewunderst, und frage sie, ob sie sich auf eine Tasse Kaffee treffen möchten. Wer weiß, was es dir bringen wird.

 

4. Anderen helfen

 

Die Forschung zeigt, dass Menschen, die viel Zeit damit verbringen, anderen zu helfen, ein stärkeres Gefühl für ihre Ziele haben. Eine Win-Win-Situation! Du hilfst dir selbst, indem du anderen hilfst. 

 

5. Dankbar sein

 

Die Praxis der Dankbarkeit gibt dem Leben auch eine Richtung. Dankbarkeit aktiviert das Belohnungssystem in unserem Gehirn. 

 

Eine gute Möglichkeit, dies zu tun, ist das Führen eines Tagebuchs. Schreibe täglich auf, was du an diesem Tag genossen hast. Was hat dich zufrieden gestellt? Worauf freust du dich im Moment? Das hilft dir einerseits, dankbar zu sein, aber auch zu entdecken, was du willst. 

 

Wie stellst du sicher, dass der Prozess reibungslos abläuft?

 

“Es war ein Prozess von Versuch und Irrtum, aber am Ende habe ich herausgefunden, was ich im Leben will. Als Psychologin bei OpenUp arbeiten natürlich”, lacht Eva. Die folgenden (eher prozessorientierten) Tipps stammen aus Evas eigener Suche nach Orientierung in ihrem Leben und aus der Wissenschaft zu diesem Thema. 

 

1. Ein Growth-mindset annehmen

 

Ein Growth-mindset steht in Zusammenhang mit der Erfahrung, dass das Leben einen Sinn hat. “Menschen mit einer Wachstumsmentalität suchen ständig nach Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Das hilft dir nicht nur dabei, herauszufinden, was dein Lebensziel ist. Es hilft dir auch, dieses Ziel zu erreichen. 

 

Lese mehr: 6 Wege, um aus deiner Comfort-zone in deiner Growth-zone zu gelangen

 

2. Mache dir ein kleines Ziel

 

Der Blick in die Zukunft ist schwierig. Wenn du von der Frage “Wie wird dein Leben in zehn Jahren aussehen?” Albträume bekommst, schneide diese Frage in kleinere Stücke. Sie sind leichter zu beantworten. “Denke darüber nach, was du dir für dein Liebesleben, deine Karriere, dein soziales Leben und dein Zuhause wünschst. Und konzentriere dich lieber auf das nächste Jahr als auf Längerfristiges.

 

“Wie wir unsere Tage verbringen, so verbringen wir unser Leben” – Annie Dillard

 

3. Genieße den Prozess!

 

“Obwohl mein eigener Prozess holprig war, habe ich gelernt, ihn zu genießen, indem ich ihn als ein großes Abenteuer ansah”, sagt Eva. “Ein Abenteuer der Entdeckung, des Nachdenkens über meine Entscheidungen und des Feierns, wenn ich herausfand, was ich nicht wollte. Ebenfalls sehr wichtig. 

 

Also: Sei neugierig. Gehe hinaus in die Welt. Frage Freunde, ob du sie bei der Arbeit besuchen kannst. Entdecke. Frage. Mache dir Notizen. Trinke Kaffee mit Menschen, die interessante Dinge tun. Oder Bier. Frage Fremde und Bekannte, was sie bewegt. Du wirst es schaffen. 

 

4. Sei zuversichtlich, auch wenn du keinen Erfolg hast

 

“Es ist gut, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass die Suche nach dem Ziel nicht linear verläuft. Es gibt Höhen und Tiefen. Es ist in Ordnung, wenn du Schwierigkeiten hast, dein Ziel zu finden”, sagt Eva. “Das ist menschlich. Selbst Menschen, von denen man glaubt, dass sie ihr bestes Leben führen, zweifeln an Teilen ihres Lebens.

 

Sei also freundlich zu dir selbst, auch wenn es schwierig ist. Eva: “Das Leben ist voller Ungewissheiten. Das Einzige, was du tun kannst, ist darauf zu vertrauen, dass du mit dem Wissen, das du heute hast, die beste Wahl treffen wirst. Du weißt nicht, welche Folgen deine Entscheidungen in der Zukunft haben werden. 

 

5. Loslassen

 

Du kannst dich auch dafür entscheiden, zu akzeptieren, dass du deinen Lebenszweck nie finden musst. Wir wachsen mit der Vorstellung auf, dass man sich für einen Beruf entscheiden muss. Wie oft wurdest du als Kind gefragt: “Was willst du später einmal werden?

 

Nun, vielleicht musst du dich nicht für etwas entscheiden, aber du kannst alles werden! Wie? Emilie Wapnick erzählt dir in ihrem Buch “Wie man alles wird”. Sehr zu empfehlen, wenn man sich nicht entscheiden kann oder will.  

 

Steckst du bei der Suche nach einer Richtung für dein Leben fest? Eva und unsere anderen Psychologen sind bereit, dir zu helfen. Du kannst uns gerne kontaktieren. Die erste Beratung ist kostenlos.