Wie man Stress und Angst in etwas Positives verwandelt

14 Feb ‘22
3 min
OpenUp Redaktion
illustratie van man die rent en stress heeft

Stress ist schlecht für dich, oder? Schlecht für dein Herz, schlecht für dein Haar, schlecht für deine Haut, schlecht für deine Stimmung. Deshalb hört man selten, dass jemand Stress lobt. Geschweige denn, dass ein Psychologe dies tut. Und doch ist es genau das, was die Psychologin Madelief Falkmann macht.

 

Sie erklärt dir, warum Stress wichtig ist und wie du eine positive Haltung zu Stress entwickeln kannst.

 

Stress ist für dich da

 

„Aus evolutionärer Sicht ist Stress oder Angst ein wichtiges Instrument: Es warnt uns vor Gefahren und macht uns wachsam“, erklärt Madelief. „So erhöhen sich unsere Überlebenschancen in Zeiten, in denen dies essentiell ist.

 

Aber auch wenn du nicht jede Woche von einem Bären gejagt wirst, kann Stress dir helfen. Wenn du bei der Arbeit eine Präsentation halten musst oder einen kurzzeitigen Abgabetermin hast, sorgt eine gesunde Dosis Stress dafür, dass du aufmerksam, kreativ und leistungsfähig bleibst. Stress verbessert deine kognitive Leistungsfähigkeit. Völlige Stressabstinenz ist also nicht notwendig und auch keine gute Idee.

 

Stress in Schach halten

 

Und doch sagen Ärzte, dass Stress schlecht für die Gesundheit ist. Dein Herz beginnt schneller zu schlagen, während sich deine Blutgefäße verengen, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

 

Was aber, wenn es nicht der Stress selbst ist, der diese körperliche Reaktion hervorruft, sondern die Art und Weise, wie wir den Stress betrachten? In ihrem Ted Talk erklärt die Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal, dass sich die körperliche Reaktion auf Stress ändert, wenn sich die Haltung zum Stress ändert.

 

Wenn du eine Präsentation hältst, solltest du daher eine erhöhte Herzfrequenz, eine schnellere Atmung und eine schweißnasse Stirn nicht als Zeichen dafür interpretieren, dass du mit Druck nicht gut umgehen kannst.

 

Stattdessen solltest du diese Stresssignale als Zeichen dafür sehen, dass dein Herz dich auf einen bestimmten Schritt vorbereitet und dass deine Atmung dein Gehirn mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt, damit du einen klareren Kopf bekommst.

 

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Und das scheint tatsächlich zu funktionieren! Eine Studie der Harvard-Universität zeigt, dass Menschen, die Stress als etwas Positives sehen, weniger ängstlich und dafür selbstbewusster sind. Auch ihre körperliche Stressreaktion veränderte sich: Ihr Herz schlug schneller, aber ihre Blutgefäße verengten sich nicht.

 

Es ist die gleiche körperliche Reaktion, wie wenn wir Freude und Mut empfinden. „Das ist sehr gesund! sagt Madelief. „Das nächste Mal, wenn du dich in einer angespannten Situation befindest, denke daran: Das ist mein Körper. Und mein Körper bereitet mich auf eine Herausforderung vor. Dein Körper wird diesem Gedanken Glauben schenken und deine Stressreaktion wird viel gesünder für dich sein.

 

Negative Auswirkungen durch Stress verringern

 

Wenn du Stress hast, kannst du negative Auswirkungen verringern. Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen, die viel Stress erleben, tatsächlich ein höheres Sterberisiko haben.

 

„Aber Menschen, die viel Stress haben und viel Zeit damit verbringen, sich um andere zu kümmern und ihnen zu helfen, haben überhaupt kein erhöhtes Sterberisiko. Verantwortlich dafür ist der Stoff Oxytocin: das Kuschelhormon.

 

Durch den sozialen Kontakt mit anderen Menschen wird ein Hormon ausgeschüttet, das verhindert, dass sich die Blutgefäße verengen und das Herz sich von stressigen Ereignissen erholt“, erklärt Madelief.

 

„Ein weiterer Beweis: Es ist nicht der Stress selbst, der uns schadet, sondern die Art und Weise, wie wir den Stress betrachten und mit ihm umgehen.

 

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Lerne, deine Ängste anzunehmen

 

Was ist mit der Angst? Können wir auch eine positive Beziehung zu ihr entwickeln? Laut Madelief, ja. „Wir haben gerne das Gefühl, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben“, erklärt sie. „Aber es gibt viele Situationen, die wir nicht beeinflussen können.

 

Manchmal ist das Leben so, wie es ist. Diese Ungewissheit kann zu Angstgefühlen führen: Was ist, wenn meine Aktien einbrechen? Was ist, wenn ich krank werde? Was ist, wenn mein Kind gemobbt wird?“

 

Madelief: „Wir müssen die Ungewissheiten im Leben akzeptieren. Andernfalls entwickelst du eine ungesunde Beziehung zur Angst. Lasse deine Angst zu und entscheide dich bewusst dafür, mit ihr umzugehen. Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) kann dir dabei helfen.

 

Diese Verhaltenstherapie hilft dir, flexibel mit den Hindernissen umzugehen, die dir begegnen (Akzeptanz), und lehrt dich, weiterhin in das zu investieren, was dir wirklich wichtig ist (Engagement).

 

Während der Therapie werden verschiedene Prozesse und Fähigkeiten angesprochen: Aufmerksamkeit für das Hier und Jetzt, Reflexion über die eigenen Werte, Investition in die eigenen Werte, flexibler Umgang mit dem eigenen Selbst(-bild), Distanzierung von den eigenen Gedanken und Akzeptanz von unangenehmen Erfahrungen.

 

„Für Menschen mit Ängsten ist es am wichtigsten, unangenehme Gedanken zu akzeptieren und sich von ihnen zu distanzieren. Man lernt zu akzeptieren, dass Angstgefühle zum Leben dazugehören, und sich angemessen von ihnen zu distanzieren,“ sagt Madelief.

 

Ein Psychologe kann dir helfen, ein gesünderes Verhältnis zu Stress oder Angst zu entwickeln. Buche eine Einführungsberatung.