Die Feiertage sind nicht für alle Mitarbeitenden gleichermaßen erfreulich – Wie geht man bewusst damit um?

2 Dec ‘22
3 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Eva Rüger
feestdagen
Familie, Spaß, Gemütlichkeit, Wärme und Zusammenhalt sind Worte, die vielen Menschen in den Sinn kommen, wenn sie an die Feiertage denken. Doch nicht jeder empfindet Weihnachten als etwas Angenehmes oder Positives. Und das ist in Ordnung. Es ist jedoch gut, wenn Personalverantwortliche sich dessen bewusst sind und umsichtig mit dem Thema umgehen.

 

Wie auch im Rest des Jahres gibt es immer Zeiten, in denen der eine high on life ist und der andere sich herausfordernden Situationen stellen muss. Das ist ganz normal. Es ist jedoch gut, sich dessen bewusst zu sein und zu wissen, wie man damit umgeht. Vor allem in Zeiten, in denen man nicht direkt daran denkt.

 

Es sind nicht für jeden „Schöne Feiertage!“

 

Wenn du dich selbst ganz besonders auf die Feiertage freust, kommt dir vielleicht gar nicht in den Sinn, dass das nicht unbedingt für alle Menschen gilt. Und dafür kann es ganz verschiedene Gründe geben:

 

  • Manche Menschen fühlen sich einsamer. Nicht jeder hat eine Familie oder Freunde, mit denen er/sie Weihnachten und Silvester feiern kann. Wenn man sieht, wie überall um einen herum Menschen zusammenkommen und man selbst kein Teil davon ist, dann kann sich die eigene Einsamkeit noch schmerzvoller anfühlen.
  • Gefühle von Trauer und Verlust werden verstärkt. Wenn wir mit Familie und Freunden zusammenkommen, wird oft besonders deutlich, wer nicht mehr dabei ist. Trauer und Verlust fühlen sich während der Feiertage daher oft besonders schwer an.
  • Dieses Gefühl des Verlusts kann sich auch darauf beziehen, dass jemand keinen Partner oder kein Kind hat, obwohl er/sie dies gerne hätte. Menschen, die in der Weihnachtszeit von Paaren und Kindern umringt werden, werden dann besonders mit dieser Tatsache konfrontiert.
  • Kindheitserinnerungen kehren zurück. Wenn man als Kind eine unangenehme oder unsichere Familiensituation erlebt hat, können die Feiertage eine schwierige Zeit sein.
  • Nicht jede Kultur oder Religion feiert Weihnachten, ungeachtet der Tatsache, dass Weihnachten für immer mehr Menschen keine religiöse Bedeutung hat. Ursprünglich war Weihnachten ein christliches Fest. Auch Buddhisten erkennen Jesus an und feiern manchmal Weihnachten. Juden feiern etwa im November bzw. Dezember Chanukka. Muslime feiern generell kein Weihnachten. „Frohe Weihnachten“ ist also kein Gruß, der für alle gilt.
  • Manche Menschen meiden bestimmte Situationen oder Gruppen lieber. Zum Beispiel ein Treffen mit jemandem, mit dem man eine herausfordernde oder traumatische Erfahrung gemacht hat, der deine sexuelle Orientierung oder Herkunft nicht akzeptiert oder der Erwartungen an dich hat, die du nicht erfüllst.
  • Geldsorgen machen sich bemerkbar oder verschlimmern sich. Obwohl die Feiertage nicht zwingend eine Zeit großer Ausgaben sein müssen, ist es für viele Menschen doch eine teure Zeit.
  • Es kann überwältigend sein. Zum Beispiel für Menschen mit sozialen Ängsten, Burnout, einer Hypersensibilität gegenüber bestimmten Gerüchen oder Geräuschen, Autismus und Zwangsstörungen.
  • Einige Menschen arbeiten an Weihnachten. Zum Beispiel in der Pflege und in der Gastronomie. Das ist nicht für jeden gleichermaßen angenehm.

Und es gibt noch viele weitere Gründe, warum Weihnachten nicht unbedingt immer angenehm ist. Dies sollte man berücksichtigen, damit niemand unnötig verletzt wird.

 

Was kannst du tun?

 

Am wichtigsten ist es, dir darüber im Klaren zu sein, dass nicht jeder die Feiertage zwingend als toll und angenehm empfindet. Gehe in deiner Kommunikation also nicht einfach davon aus, dass jemand „Frohe Weihnachten“, „Schöne Feiertage“ oder ein „Frohes Neues Jahr“ hat.

 

Achte darauf, was du sagst

 

Achte darauf, was du sagst, wenn du jemanden begrüßt oder wenn du etwas mit Bezug auf die Dezember Periode kommunizierst. Sage zum Beispiel „Frohe Weihnachten, wenn du feierst“ statt „Frohe Weihnachten“. In den USA hört man dies schon häufiger. Auch „Genieße deine freien Tage“ ist eine Option.

 

Vermeide nicht das Gespräch

 

Vielleicht denkst du, dass jemand lieber nicht damit konfrontiert werden möchte, warum Weihnachten oder die Feiertage für ihn/sie nicht angenehm sind. Und doch ist das Benennen dessen, was vor sich geht, mit das Beste, was du tun kannst.

 

Lass die Person wissen, dass du an sie/ihn denkst und dass du für sie/ihn da bist. Darauf kannst du zum Beispiel mit einer Karte oder durch eine andere persönliche Nachricht aufmerksam machen.

 

Informiere über Einsamkeit

 

Du kannst die Mitarbeitenden über Möglichkeiten informieren, um sich an Weihnachten weniger einsam zu fühlen. Sie können beispielsweise einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, etwa in einer Obdachlosenunterkunft. Oder ermutige sie dazu, einfach in ein Flugzeug zu steigen und Weihnachten an einem ganz anderen Ort zu feiern.

 

Lass die Mitarbeitenden ihre eigene Schicht planen

 

Wird während der Feiertage gearbeitet? Gib den Mitarbeitenden dann die Möglichkeit, sich selbst freiwillig für eine Schicht zu melden. Diejenigen, die Weihnachten nicht feiern oder lieber meiden, können sich dann selbst dafür melden.

 

Frag öfter nach

 

Frag öfter nach dem Befinden der Mitarbeitenden, die es vielleicht schwer haben während der Feiertage. Zum Beispiel diejenigen, die jemanden verloren haben, geschieden sind oder gerade erst umgezogen sind

Auch wenn du weißt, dass jemandem ein hartes Jahr bevorsteht, kann es schön sein, wenn diese Person merkt, dass andere auch an ihn/sie denken.

 

Biete Unterstützung

 

Jeder hat zu dieser Jahreszeit so seine eigenen Herausforderungen. Mache deine Mitarbeitenden in der Weihnachtszeit noch gezielter auf euer Unterstützungsangebot, wie zum Beispiel eure eventuelle Partnerschaft mit OpenUp, aufmerksam. Egal, ob man durch all die im Dezember anstehenden Aufgaben gestresst ist oder sich während der Feiertage einsam fühlt, unser Psychologenteam hilft, damit umzugehen.