Elternschaft und Karriere: Wie unterstützt man berufstätige Eltern? 7 Tipps

30 Nov ‘22
5 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Jan Helder
support working parents
W ie oft wurden deine Online-Meetings während des Lockdowns durch ein fröhlich vorbei laufendes Kleinkind unterbrochen? In dieser Zeit waren viele Arbeitgeber*innen sehr entgegenkommend im Hinblick auf berufstätige Eltern: Flexible Arbeitszeiten, Zusatzurlaub, bessere Kommunikation (einschließlich Fragen wie z.B. „Schaffst du es noch?“) und vieles mehr.

 

Doch laut der Harvard Business Review hat sich dieses angepasste Verhalten nicht nachhaltig auf die Art und Weise, wie Arbeitgeber*innen mit berufstätigen Eltern umgehen, ausgewirkt. Dabei ist der Bedarf durchaus da. Der Psychologe Jan Helder erklärt, mit welchen Herausforderungen berufstätige Eltern konfrontiert werden und wie man sie als Führungskraft am besten dabei unterstützen kann.

 

Die Herausforderungen berufstätiger Eltern

 

Der erste Schritt bei der Unterstützung von Eltern am Arbeitsplatz besteht darin, zu verstehen, mit welchen Herausforderungen sie sich auseinandersetzen müssen. Und da gibt es nur einen Weg: Indem man sie fragt!

 

„In unseren Beratungsgesprächen reden wir oft mit berufstätigen Eltern über ihre häusliche und berufliche Situation und die Herausforderungen, denen sie in ihrem Alltag begegnen“, erzählt Jan. „Die folgenden vier Themen werden besonders häufig angesprochen.“

 

1. Work-Life-Balance (oder besser gesagt: Ungleichgewicht)

 

Das ständige Hin und Her zwischen privaten und beruflichen Verpflichtungen verlangt viel von arbeitstätigen Eltern. Die Stundenpläne der Kinder richten sich nicht immer nach den Arbeitszeiten (und andersherum). Und ein erkältetes Kind nimmt natürlich absolut keine Rücksicht auf Arbeitsstunden und Abgabefristen.

 

Das bedeutet demnach, dass berufstätige Eltern oft weniger flexibel sind als  Arbeitnehmer*innen ohne Kinder. Eine zusätzliche Schicht, ein dringlicher Auftrag zwischendurch oder eine knappe Abgabefrist sind da auch etwas schwieriger zu bewältigen, denn Überstunden sind für junge Eltern weniger selbstverständlich.

 

2. Stereotypisierung, Verurteilung und Schuldgefühle

 

Berufstätige Eltern werden oft mit Stereotypen und Vorurteilen konfrontiert. Egal, welche Entscheidungen sie treffen, es gibt immer irgendwen, der sie kritisiert.

 

Wenn man sich dafür entscheidet, im Job nicht zurückzutreten, und weiterhin viel Zeit und Aufmerksamkeit in seine Karriere zu investieren, verbringt man nicht genug Zeit mit seinem Nachwuchs.

 

Und wenn man nur noch Teilzeit arbeitet, um sich mehr Zeit für die Kinder zu nehmen, leistet man keinen ausreichenden Beitrag zur Gesellschaft, ist man nicht ehrgeizig genug oder fördert man sogar die Ungleichheit der Geschlechter.

 

Diese Vorurteile geben vor allem berufstätige Mütter auch über sich selbst ab. Sie haben oft mit Schuldgefühlen gegenüber ihren Kindern zu kämpfen, wenn sie viel arbeiten. Väter leiden im Allgemeinen weniger darunter.

 

3. Übermüdung

 

Berufstätig zu sein, ist anstrengend. Berufstätig zu sein und gleichzeitig Kinder großzuziehen, ist noch viel anstrengender.

 

Gerade in den ersten Monaten oder Jahren haben viele Eltern mit schlaflosen Nächten zu kämpfen, doch selbst wenn die Kinder dann einen festen Schlafrhythmus haben, erfordert die Führung des Haushalts und die allgemeine Erziehung einiges an Energie.

 

Wenn man viel zu erledigen hat, kommen Ruhe, Entspannung und Zeit für sich selbst häufig als erstes zu kurz. Das bedeutet, dass berufstätige Eltern leichter an einem Burnout erkranken können.

 

4. Wachstumsmöglichkeiten

 

Die Aussicht auf einen Karrieresprung kann mit zunehmendem Alter an Attraktivität verlieren. Schließlich hängt ein solcher Übergang oft mit Veränderungen, neuen Aufgaben, Lernen und Anpassungen an eine neue Situation zusammen. Das erfordert Zeit, Aufmerksamkeit und Energie, was für berufstätige Eltern mitunter zu anstrengend sein kann. Ganz egal, wie ehrgeizig man ist.

 

Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt. Arbeitgeber*innen gehen oft davon aus, dass man als junge Mutter (oder auch als junger Vater) nicht die Zeit und den nötigen Fokus hat, um ein größeres Projekt oder eine neue Führungsrolle zu übernehmen. Man ist ja schließlich mit seiner Familie beschäftigt. Dadurch verringern sich dann auch die Chancen auf eine Beförderung, obwohl man sich diese vielleicht doch sehr gewünscht hätte.

 

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Wie unterstützt man berufstätige Eltern?

 

Es ist Zeit zum Handeln! Die oben genannten Herausforderungen von berufstätigen Eltern kannst du laut den Psycholog*innen von OpenUp wie folgt angehen:

 

Kommuniziere

 

Um Übermüdung bei arbeitstätigen Eltern zu verhindern,  spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle. Eltern sollten nämlich das Gefühl haben, dass sie am Arbeitsplatz über ihre Herausforderungen sprechen dürfen. Eine empathische und offene Arbeitskultur hilft dabei. Eine Kultur, in der die Gespräche mit Führungskräften und der Personalabteilung ganz ohne Wertung geführt werden können.

 

Erkläre Eltern, an wen sie sich wenden können, wenn sie sich Sorgen über ihre Arbeit oder ihr eigenes Wohlbefinden machen. Achte außerdem darauf, dass ausreichend Kontakt-Momente ermöglicht werden:

 

  • Häufige Einzelgespräche zwischen Mitarbeiter*innen und Führungskräften oder Arbeitgeber*innen
  • In regelmäßigen Abständen eine E-Mail, eine WhatsApp-Nachricht oder ein Anruf von dir an den Mitarbeiter*innen, um dich zu erkundigen, ob alles zurzeit in Ordnung ist
  • Regelmäßige, formelle Meetings, um die Machbarkeit des Zeitplans zu besprechen

 

 

Sei flexibel im Hinblick auf Arbeitszeiten- und orte

 

Das Leben berufstätiger Eltern lässt sich nicht vorhersehen. Sei flexibel, wenn sich die Bedürfnisse des Mitarbeitenden in letzter Minute ändern: ein zusätzlicher freier Tag oder als Alternative vom Homeoffice aus arbeiten, eine Stunde früher Feierabend oder ein kurzfristiger Urlaub zum Auftanken. Vertraue deinem Personal, dass es diesbezüglich selbst die richtigen Entscheidungen trifft.

 

 

Rege asynchrones Arbeiten an

 

In einigen Unternehmen macht es keinen Unterschied, ob die Arbeit zwischen 9 und 17 Uhr erledigt wird, oder zwischen 7 und 20 Uhr mit mehrstündigen Pausen dazwischen, um Zeit mit den Kindern zu ermöglichen. Bedeutend ist nur, dass die Mitarbeitenden ihre Arbeit erledigen und bei wichtigen Kontakt-Momenten anwesend sind.

 

Wenn asynchrones Arbeiten angeregt wird, können berufstätige Eltern ihre geschäftlichen und privaten Aufgaben besser aufeinander abstimmen. So haben berufstätige Eltern mehr Kontrolle über ihre Zeit.

 

 

Biete professionelle Hilfe an

 

Gerade weil sich berufstätige Eltern so wenig Zeit für sich selbst nehmen können, sollte Unterstützung so greifbar und zugänglich wie möglich sein. Über OpenUp können Mitarbeitende zum Beispiel innerhalb von 48 Stunden digital mit einem*r Psycholog*in sprechen, ein Achtsamkeit-Training absolvieren (in einer Gruppe oder gemeinsam mit einem*r Psycholog*in) und an Gruppensitzungen zum Thema psychisches Wohlbefinden teilnehmen.

 

Schaffe eine Kultur, die Elternschaft unterstützt

 

Das Letzte, was man möchte, sind Schuldgefühle der Eltern am Arbeitsplatz, nur weil sie Eltern sind. Oder das Gefühl vermitteln, dass sie ihre Elternschaft verheimlichen müssen, weil sie zum Beispiel Angst haben, dass sie ihrer Karriere damit schaden könnten. Ein Phänomen, das als „Secret Parenting“ (z. Dt. „heimliche Elternschaft“) bezeichnet wird.

 

Feiert Schwangerschaften, Geburten und andere wichtige Momente im Leben berufstätiger Eltern. Beispielsweise mit einer Karte und einer kleinen Aufmerksamkeit oder einem anderen passenden Geschenk oder Botschaft. So zeigst du sowohl den jetzigen als auch künftigen Eltern, dass du hinter ihnen stehst.

 

 

Halte Wachstumsmöglichkeiten offen

 

Junge Eltern erhalten weniger Möglichkeiten für persönliches Wachstum. Dies geschieht oft, weil die Führungskraft annimmt, dass Eltern neben der Betreuung ihrer Familie keine weiteren Tätigkeiten bzw. keine größere Verantwortung übernehmen können.

 

Um solchen Vorurteilen entgegenzuwirken, sollten Beförderungsentscheidungen immer auf Grundlage objektiver Informationen und nicht auf Basis von Gefühlen getroffen werden. Wenn jemand zum Beispiel seit zwei Jahren im Unternehmen arbeitet, bestimmte Fortbildungen absolviert hat und vom Vorgesetzten bei gewissen Indikatoren mindestens die Bewertung 7 von 10 Punkten erhält, sollte eine Beförderung folgen. Unabhängig davon, ob die Mitarbeitenden Eltern sind.

 

Stelle zudem sicher, dass Fortbildungen während der Arbeitszeit stattfinden, damit Eltern nicht davon ausgeschlossen werden.

 

Dasselbe gilt übrigens auch für soziale Aktivitäten. Schließe Eltern nicht aus, indem du solche Aktivitäten (exklusiv) in den Abendstunden oder am Wochenende organisierst.

 

Schaffe eine väterfreundliche Kultur

 

Väter in Elternzeit sind eine Seltenheit. Mit der Frage „Wie viele Stunden willst du nach der Geburt deines Kindes arbeiten?“ werden Frauen häufig, Männer hingegen selten konfrontiert. Um die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen zu gewährleisten, solltest du diese Frage dementsprechend an beide Parteien stellen.

 

Unterstütze Väter in der Elternschaft auf die gleiche Art und Weise wie Mütter: Nicht nur, indem man sie die selben Fragen zu ihren Erwartungen an die bevorstehende Veränderungen in Bezug auf die Arbeitsplanung stellt, sondern auch, indem man ihnen Möglichkeiten für flexible Arbeitszeiten und -orte, asynchrone Arbeitsweisen, gleichwertige Karrierechancen und professionelle psychologische Unterstützung bietet.

 

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