Führungskräfte unter Druck: Wie HR unterstützen kann

9 Feb ‘24
4 min
Arbeitsleistung
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Lili Thoelen
Ob es um das Führen hybrider Teams, das Kreieren psychologischer Sicherheit oder das Steigern der Produktivität geht: Die Anforderungen an Führungskräfte sind seit der Pandemie exponentiell gestiegen. Doch nun läuten die Alarmglocken. Wieso?

 

Einer Gartner-Studie zufolge sagen 75 % der Personalverantwortlichen, dass Führungskräfte in ihrer Organisation mit der Zunahme an Aufgaben überfordert sind. 73 % bekräftigen, dass ihre Führungskräfte nicht in der Lage sind, ein Team durch Veränderungen zu führen.

 

Das hat weitreichende Konsequenzen – vor allem auf das Halten von Talenten. Umso wichtiger ist es, dass HR-Teams Führungskräfte bei aktuellen Herausforderungen unterstützen. Aber wie gelingt das und wie kann das mentale Wohlbefinden am Arbeitsplatz stimuliert werden?

Aktuelle Herausforderungen von Führungskräften

 

Die Gartner 2024 HR Priorities Survey, an der mehr als 500 HR-Führungskräfte aus 40 Ländern und verschiedenen Branchen teilgenommen haben, zeigt, dass Führungskräfte zunehmend überfordert sind: 

 

  • Führungskräfte haben im Durchschnitt 51% mehr Aufgaben zu bewältigen, als sie effektiv bewältigen können.
  • Etwa 54% der Führungskräfte leiden unter arbeitsbedingtem Stress und Müdigkeit.
  • 1 von 5 Führungskräften würde es bevorzugen, die Personalverantwortung abzulegen.

 

Das beeinflusst natürlich auch die Beziehung der Führungskräfte zu ihren Teammitgliedern. Nur 1 von 2 Teammitgliedern hat das Gefühl, dass sie ihre Führungskraft mit Empathie und Fairness behandelt. Umso wichtiger ist es also, dass Führungskräfte mit den nötigen Fertigkeiten ausgestattet werden, um moderne, hybride Teams zu führen und so zum Unternehmenserfolg beizutragen. 

 

💡 Auch interessant: Führen auf Distanz: So kannst du Wohlbefinden und Produktivität virtuell fördern

 

Warum der Fokus auf mentales Wohlbefinden wichtig ist 

 

Damit Führungskräfte in der Lage sind, mit den Herausforderungen besser umzugehen, bedarf es Ansätze zur Führungskräfteentwicklung, die sich nicht nur auf traditionelle Fähigkeiten konzentrieren. 

 

Das untermauert auch die Gartner-Studie: Nur 25 % der Führungskräfte geben an, dass die derzeitigen Schulungsprogramme in ihrer Organisation Wirkung haben. Für HR wird es in Zukunft also immer wichtiger, Elemente aus der personenzentrierten Führung in Trainingsprogramme zu inkludieren. Die personenzentrierte Führung legt den Schwerpunkt auf drei Schlüsselkomponenten: Authentizität, Empathie und Anpassungsfähigkeit. Dieser Schwerpunkt steht im Einklang mit der zunehmenden Anerkennung des mentalen Wohlbefindens als entscheidende Komponente effektiver Führung.

 

Wie HR überforderte Führungskräfte unterstützen kann

 

Wie kannst du als HR-Abteilung das mentale Wohlbefinden innerhalb der Organisation fördern und so Führungskräften unter die Arme greifen? Liliane Thoelen, Psychologin bei OpenUp, weiß, an welchen Stellen du ansetzen kannst: 

 

1. Fördere eine offene Unternehmenskultur

 

Um Führungskräften und Mitarbeitenden zu helfen, ist eine offene Unternehmenskultur, in der psychologische Sicherheit herrscht, unerlässlich. Sich bei Überforderung Unterstützung von Kolleg*innen oder der HR-Abteilung zu holen, sollte kein Tabu oder Zeichen der Schwäche sein. „Egal, ob du ein Team führst oder Teil davon bist – , es ist wichtig, dass ihr euch aufeinander verlassen könnt und euch gegenseitig unterstützt”, bekräftigt Psychologin Liliane Thoelen. „Motiviere Führungskräfte, mit gutem Beispiel voranzugehen, sich verletzlich zu zeigen und aktiv um Unterstützung zu fragen.”

💡Tipps für Führungskräfte

 

So schaffst du ein psychologisch sicheres Arbeitsumfeld

 

  1. Übernimm Verantwortung für dein Auftreten und deine Kommunikation
  2. Trau dich, dich selbst kritisch zu betrachten
  3. Bleibe mit deinen Mitarbeitenden im Dialog
  4. Öffne dich gegenüber anderen Perspektiven
  5. Sei offen und gleichzeitig klar in Bezug auf deine Grenzen
  6. Sorge jederzeit für Bewusstsein und Offenheit
  7. Ermutige dein Team zu offener Kommunikation
  8. Sei ein Vorbild für andere

2. Definiere Erwartungen an Führungspositionen neu

 

Der Gartner-Studie zufolge haben die erfolgreichsten Unternehmen bereits erkannt, dass Führungspositionen, wie sie gerade gestaltet sind, nicht mehr zu bewältigen sind. Daher sind sie dazu übergegangen, Erwartungen, die mit der Rolle verbunden sind, neu zu definieren. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter*innen demzufolge ermutigen, für Coaching und Weiterentwicklung mit anderen in Kontakt zu treten und sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. „Es kann auch helfen, realistische Ziele und Deadlines zu kreieren, damit kein Zeitdruck entsteht und mehr Pufferzeit zur Verfügung steht, falls etwas doch länger dauert”, fügt die Psychologin hinzu.

 

3. Betone die Relevanz von Selbstfürsorge


Führungskräfte sind ständig mit anderen beschäftigt. Fühlen sich die Mitarbeiter*innen wohl? Haben sie alles, was sie benötigen, um ihrer Arbeit gut nachzugehen? Dabei vergessen sie oft auf das eigene Wohlbefinden. Aber nur, wenn es einem selbst gut geht, kann man sich auch um andere kümmern. Selbstfürsorge sollte daher immer an erster Stelle stehen. Als HR-Team kannst du Führungskräfte immer wieder an die Relevanz dessen erinnern und ihnen einfache Tipps mit an die Hand geben, die bei der Priorisierung von Aufgaben helfen.

💡Tipp für Führungskräfte

 

„Es kann helfen, sich zu Beginn des Tages 30 Minuten zu blockieren, um den Terminkalender zu überprüfen und sich ein SMART-Tagesziel (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert) zu setzen”, schlägt Psychologin Liliane Thoelen vor.

 

„Dabei sollte man sich folgende Fragen stellen: Welche drei Tasks wirst du heute priorisieren? Was ist realistisch? Was kann ich delegieren? Du kannst dir auch am Ende des Tages Zeit blockieren, um zu sehen, was erledigt wurde, was noch erledigt gehört und wann das der Fall sein sollte.”

4. Stärke Werte wie Empathie und Resilienz innerhalb der Organisation

 

Das aktuelle Weltgeschehen hat großen Einfluss auf das mentale Wohlbefinden aller Mitarbeitenden und auch auf das der Führungskräfte. Umso wichtiger ist die Verbindung zur Organisation und den Kolleg*innen. Studien zeigen, dass Mitarbeiter*innen, die das Gefühl haben, am Arbeitsplatz authentisch sein zu können, produktiver und zufriedener sind und dem Arbeitgeber auch länger verbunden bleiben. HR-Abteilungen können das fördern, in dem sie immer wieder an die Werte der Organisation erinnern und indem sie Kandidat*innen rekrutieren, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zur Organisation passen.

 

5. Richte eine Peer-Group für Führungskräfte ein


Eine Peer-Group innerhalb der Organisation kann besonders neuen Führungskräften helfen, mit den sich veränderten Anforderungen zurechtzukommen. Aber auch Führungskräfte mit mehr Erfahrung profitieren von diesem Netzwerk: Sie können sich Tipps von Gleichgesinnten holen und besser mit der sogenannten Einsamkeit an der Spitze umgehen, die mit der Veränderung innerhalb der Hierarchie einhergeht.

💡Tipp für Führungskräfte

 

OpenUp bietet regelmäßig Gruppeneinheiten zu relevanten Themen für Führungskräfte an, wie zum Beispiel Gespräche mit Mitarbeitenden über das mentale Wohlbefinden führen. Kurse zu Themen wie der Kunst des achtsamen Feedbacks eignen sich bestens für selbstgesteuertes Lernen im eigenen Tempo.

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