High Performers und Burn-out: So bleiben leistungsstarke Mitarbeiter*innen mental gesund

3 Jan ‘23
4 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Eva Rüger
openup burnout

Stell dir vor, du gewinnst einen Wettbewerb im Kuchenessen und dein Preis ist… Noch mehr Kuchen! So kann es sich anfühlen, wenn man High Performer ist: Man arbeitet hart und bekommt als Belohnung noch mehr Arbeit. Das hat seinen Preis, denn bei High Performern treten vermehrt mentale Herausforderungen (einschließlich Burn-out) auf.

 

Was kannst du als HR-Professional oder Führungskraft tun, um psychische Schwierigkeiten bei High Performern zu erkennen und zu verhindern? Das sind Fragen, die sich in fast jedem Unternehmen stellen, besonders aber in solchen, in denen die Leistungskultur stark ausgeprägt ist, wie zum Beispiel in Beratungsfirmen, in Rechtsberufen und in Unternehmen des Finanzsektors.

 

Warum tritt Burn-out häufiger bei High Performern auf?

 

Einer von fünf High Performern hat mit psychischen Herausforderungen zu kämpfen. Liegt die Schuld dafür bei ihnen selbst? Leistungsstarke Mitarbeitende übernehmen doch von sich aus mehr Arbeit, streben nach Beförderungen und machen mehr Überstunden?

 

Die Arbeitsgewohnheiten von High Performern können zum Teil erklären, warum sie häufiger mit psychischen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Bei OpenUp sehen wir unter anderem folgende Gründe dafür:

 

  • Einen Triathlon absolvieren, ein Meisterwerk malen, den Mont Blanc besteigen: Wer im Beruf High Performer ist, ist es auch oft in seinem Privatleben. Ruhe und Erholung sind zweitrangig.
  • High Performer haben öfter den Drang, sich zu beweisen. Sich selbst und anderen gegenüber. Sie wollen jedes Mal ein bisschen besser werden.
  • Wenn du weißt, dass dein*e Kund*in viel Geld für deine Dienste bezahlt, dann fühlst du dich weniger dazu berechtigt, einen Tag oder sogar eine Woche frei zu nehmen.

 

Doch auch durch betriebliche Gewohnheiten wird – oft unbewusst – Druck auf das psychische Wohlbefinden von High Performern ausgeübt:

 

  • High Performern werden schwierigere Projekte zugewiesen.
  • Von High Performern wird erwartet, dass sie leistungsschwächere Mitarbeitende unterstützen.
  • High Performer werden häufiger bei Dingen, die nicht ihre eigentliche Arbeit betreffen, um Unterstützung gebeten.
  • In Spitzenunternehmen gibt es oft ein Up-or-Out-System, (das heißt entweder wird man befördert oder entlassen) oder mehrere Mitarbeitende ringen um dieselbe Beförderung.
  • (Extreme) Überstunden werden als normaler Teil der Tätigkeit angesehen oder sind sogar erwünscht.
  • Es herrscht eine Kultur, in der es als „uncool“ gilt, offen über Gefühle zu sprechen.

 

Wie erkennt man mentale Herausforderungen bei High Performern?

 

Die einfachste Art, psychische Schwierigkeiten in deinem Team zu erkennen, ist, wenn es dir offen erzählt wird. Eine Unternehmenskultur, in der offen über Gefühle gesprochen werden kann, ist daher besonders wichtig. 

Andere Anzeichen für psychische Herausforderungen oder sogar Burnout sind:

 

  • Bei Sitzungen und Veranstaltungen abwesend erscheinen und wenig Engagement zeigen
  • Körperliche Abwesenheit bei sozialen Aktivitäten
  • Verminderung der Produktivität
  • Häufige Krankmeldungen
  • Kurze Zündschnur, leicht reizbar
  • Schlecht mit Feedback umgehen
  • Vergesslichkeit und Nachlässigkeit
  • Klagen über Müdigkeit, schlechten Schlaf und Schmerzen (z. B. Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen)

 

Nicht alle HR-Professionals und Führungskräfte sind dazu ausgebildet, Anzeichen für ein vermindertes psychisches Wohlbefinden zu erkennen. Die Psycholog*innen von OpenUp sind daher gerne bereit, dieses Wissen innerhalb deines Unternehmens zu vertiefen.

 

Und wenn du schon dabei bist: Es ist sinnvoll, alle Mitarbeitenden dabei zu unterstützen, Anzeichen für psychische Herausforderungen selbst zu erkennen. Du bist schließlich nicht immer anwesend, weshalb es für die Mitarbeitenden oft einfacher ist, sich gegenseitig im Auge zu behalten.

 

Wie kannst du High Performer dabei unterstützen, psychischen Herausforderungen und Burn-out vorzubeugen?

 

Wenn die oben genannten Anzeichen auftreten, ist es eigentlich schon zu spät. Man will mentalen Schwierigkeiten  natürlich lieber vorbeugen. Und das geht so:

 

1. Lass High Performer (hin und wieder) ihre eigenen Projekte auswählen

 

So verhinderst du, dass die schwierigen Projekte immer bei den High Performern landen. Und High Performer können sich für ein weniger komplexes Projekt entscheiden, wenn ihr psychisches Wohlbefinden dies gerade erfordert.

 

 

2. Ermutige zu Offenheit im Umgang mit Gefühlen

 

Man kann ganze Bücher darüber schreiben, wie man eine offene Unternehmenskultur schafft. Der erste Schritt ist, selbst offen über die eigenen Gefühle zu sprechen und Mitarbeitende zu ermutigen, sich ebenfalls zu äußern. Auf Spaces to OpenUp findest du interessante Gruppeneinheiten oder Masterclasses zu diesem Thema. Melde dich hier direkt für die Gruppeneinheit „Mit Emotionen umgehen lernen” an oder leite den Link an dein Team weiter.

 

 

3. Gehe als Unternehmen selbst offen mit Herausforderungen um

 

Veröffentliche zum Beispiel in Newslettern, Podcasts oder Videos wöchentlich oder monatlich Geschichten von Kolleg*innen und ihren psychischen Herausforderungen. Achte darauf, auch Mitarbeitende in höheren Positionen zu Wort kommen zu lassen: Sie erfüllen eine Vorbildfunktion.

 

 

4. Mache wöchentliche „Offenheit und Transparenz“-Meetings zum festen Bestandteil der Tagesordnung

 

Bei der Unternehmensberatung BCG füllen die Mitarbeitenden jede Woche einen Fragebogen über ihre Gefühle und ihr Energielevel aus. Diese werden im Anschluss mit dem Projektteam besprochen. Achte streng auf den Zweck dieser Meetings: Es sollen nämlich keine Arbeitsinhalte besprochen werden!

Lade in regelmäßigen Abständen eine Fachkraft zu diesen Meetings ein. Zum Beispiel jemand mit Kenntnissen in Unternehmenspsychologie. Gibt es so jemanden innerhalb deines Unternehmens? Hervorragend! Wenn nicht, gibt es bei OpenUp jede Menge Fachkräfte, die bereit sind zu helfen.

 

 

5. Sorge für gute Benefits im Hinblick auf mentales Wohlbefinden

 

Sei großzügig bei der Bewilligung von Urlaub und gelegentlichen, längeren (unbezahlten) Auszeiten. Biete darüber hinaus ein umfassendes Paket an Benefits an, wie zum Beispiel unbegrenzten Zugang zu den Gruppeneinheiten und den Einzelgesprächen mit Psycholog*innen von OpenUp.

 

 

6. Wende eine „No questions asked“-Politik an, wenn jemand einen zusätzlichen freien Tag benötigt

 

Ermögliche Teammitgliedern, den Tag zu unterbrechen, wenn sie sich unwohl fühlen – und zwar ohne eine ausführliche Begründung zu verlangen. Lege fest, dass ihr euch am nächsten Tag weiter darüber unterhaltet, was los ist.

Zeige dich außerdem flexibel, was die Bewilligung weiterer freier Tage oder den Tausch von Projekten angeht, wenn der mentale Zustand des Teammitglieds dies erfordert.

 

7. Sorge dafür, dass es nicht der Norm entspricht, (extrem viele) Überstunden zu machen

 

Wir hören immer wieder Geschichten über Teams, die ganze Nächte durcharbeiten und als zähe Kämpfer*innen gepriesen werden. Für uns ist das ein absolutes No-Go.

Natürlich braucht ein Projekt manchmal einen zusätzlichen Schub, um die Ziellinie zu erreichen. Aber wenn lange Arbeitstage und Wochenendarbeit als selbstverständlich vorausgesetzt werden, ist ein Burn-out quasi vorprogrammiert.

 

 

8. Bewerte Stressfaktoren innerhalb des Unternehmens

 

Ein Up-or-Out-System ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor leistungsstarker Unternehmen: nur die besten Mitarbeitenden bleiben übrig. Doch es ist auch ein enormer Stressfaktor. Gleiches gilt für Überstunden. Finde heraus – mit Hilfe von Umfragen und Interviews – welche Faktoren von den Mitarbeitenden als stressig empfunden werden und untersuche, inwiefern diese dem Unternehmen noch dienen oder es sogar behindern.

 

 9. Gewähre einen oder mehrere „Du-Tage“ pro Jahr

 

Urlaubstage müssen oft im Voraus geplant werden. Ein „Du-Tag“ (oder wie auch immer du ihn nennen möchtest) kann sofort eingesetzt werden, wenn man mal eine kurze Verschnaufpause braucht. Mitarbeitende müssen keinen Grund dafür angeben, warum sie einen freien Tag benötigen, wenn sie das nicht wollen.

 

High Performer sind für jedes Unternehmen von unschätzbarem Wert. Wir sollten in jedem Fall dafür sorgen, dass das auch so bleibt, indem wir ihr psychisches Wohlbefinden aufrechterhalten. 

 

Bist du neugierig, was genau OpenUp tut, um dafür zu sorgen, dass die Mitarbeitenden von mehr als 500 Unternehmen psychisch gesund bleiben?

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