Psychische Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz: Leitfaden für HR

14 Dec ‘22
7 min
Arbeitsleistung
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Pia Linden
preventieve mentale zorg
Wenn wir eine Lebensweisheit wählen müssten, die wir uns als Bild an die Wand hängen würden, dann diese: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Und das trifft vor allem im Bereich der psychischen Gesundheitsvorsorge zu. 

 

Die Frage ist nur: Was kannst du als HR-Professional präventiv für deine Mitarbeitenden tun und warum ist das so wichtig?

 

Warum ist Prävention wichtig?

 

In Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern ist die psychische Gesundheitsversorgung noch immer auf Heilung und nicht auf Prävention ausgerichtet. Verrückt eigentlich, denn es ist ja gerade die Prävention, die sich letztendlich auszahlt.

 

Einige Vorteile auf einen Blick:

  • Schlimmere psychische Herausforderungen werden vermieden und damit auch (längere) Ausfallzeiten
  • Die Heilungsaussichten sind viel höher, wenn die Probleme frühzeitig erkannt werden. So kann ein vollständiger Ausfall verhindert werden.
  • Hohe Kosten durch Ausfallzeiten werden vermieden.
  • Psychisch gesunde Mitarbeitende sind innovativer, kreativer und produktiver.
  • Psychisch gesunde Mitarbeitende verspüren weniger Drang, zu kündigen.
  • Psychisch gesunde Mitarbeitende zeigen mehr Engagement und sind loyaler.
  • Ein mental starkes Unternehmen wirkt attraktiver für neue Talente.

 

Wie du siehst: Es ist wichtig, deine Mitarbeitenden präventiv bei ihren psychischen Herausforderungen zu unterstützen. Und als Arbeitgeber kannst du dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

 

Prävention beginnt, wenn man psychisch gesund ist

 

Man lässt jährlich sein Auto inspizieren und warten, um einem Defekt vorzubeugen. Man geht zum Zahnarzt, um seine Zähne zu pflegen und treibt Sport, um den Körper fit zu halten. Aber wenn es um die psychische Gesundheit geht – auch am Arbeitsplatz – haben wir die Neigung, erst dann Alarm zu schlagen, wenn es bereits zu spät ist.

 

Prävention beginnt, wenn die Mitarbeitenden noch psychisch gesund sind. Du schaffst die passenden Voraussetzungen, damit sich herausfordernde Situationen so wenig wie möglich zu echten Problemen entwickeln.

 

Wie sorgst du für die psychische Gesundheitsvorsorge innerhalb des Teams?

 

Es gibt drei Säulen, die du als HR-Professional beeinflussen kannst, um psychischen Herausforderungen bei Mitarbeitenden vorzubeugen:

 

  1. Unternehmenskultur
  2. Körperliche Gesundheit
  3. Geeignete Tools zur Unterstützung der psychischen Gesundheit

 

Die Psychologinnen Eva Rüger und Pia Linden erklären, was diese Säulen beinhalten und was man bei jeder der Säulen tun kann.

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Säule 1: Schaffe eine gesunde Unternehmenskultur

 

Vielleicht ist es offensichtlich: Eine gesunde Unternehmenskultur fördert die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Was aber vielleicht weniger offensichtlich ist: Wie schafft man nun eine gesunde Unternehmenskultur, in der Offenheit und Sicherheit an oberster Stelle stehen?

 

  • Normalisiere das Thema psychisches Wohlbefinden. „Je öfter man über das Thema psychische Gesundheit spricht, desto zugänglicher wird es und desto einfacher fällt es den Mitarbeitenden, über ihre Probleme zu sprechen“, sagt Eva. „Sorge deshalb dafür, dass das Thema psychische Gesundheit häufig zur Sprache kommt, zum Beispiel in Newslettern, bei Besprechungen, in Teammeetings oder im Intranet.“
  • Investiere in Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion. Eine angenehme Unternehmenskultur bedeutet nicht für alle Mitarbeitenden das Gleiche. Es ist daher sinnvoll, sich darüber zu unterhalten: Was bedeutet eine gesunde Unternehmenskultur für dich? Inwiefern spielt dein Werdegang oder dein Umfeld dabei eine Rolle? Du kannst dies in Umfragen, Einzelgesprächen oder Fokusgruppen thematisieren.
  • Lege den Fokus auf empathische Beziehungen. Eine Unternehmenskultur mit gesunden Arbeitsbeziehungen, sinnvollen Interaktionen und ausreichend Raum für persönliche Rückmeldungen ist wichtig: So fühlen sich die Mitarbeitenden wohler und schlagen eher Alarm, wenn es ihnen einmal nicht so gut geht. Widme den sozialen Aktivitäten abseits der Arbeit genügend Aufmerksamkeit und organisiere Drinks zum Feierabend oder Ausflüge.
  • Normalisiere oder führe einen Mental Health Day ein. In einer idealen Welt wäre es normal, dass sich jeder hin und wieder einen Tag wegen der psychischen Gesundheit freinimmt. Genau wie man manchmal körperlich nicht in der Lage dazu ist, zu arbeiten, ist es auch manchmal aus psychischer Sicht nötig, sich auszuruhen.
  • Lege Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance. Überstunden dürfen nicht zur Normalität werden. Sorge dafür, dass jede*r abends und an den Wochenenden ausreichend Erholung hat, genügend Urlaub nimmt und die Möglichkeit hat, sich zusätzliche Urlaubstage zu kaufen oder zu bekommen. Frage auch regelmäßig bei den Mitarbeitenden nach, wie viele Überstunden sie machen und ob sie denken, dass dies von ihnen erwartet wird. Pia: „Ich beobachte oft eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem, was Führungskräfte und HR-Professionals über ihre Erwartungen in Bezug auf Überstunden sagen und dem, was Mitarbeitende tatsächlich erleben.“ Oft wird gesagt, dass Überstunden nicht die Norm sind, die Realität sieht aber anders aus.
  • Räume den Mitarbeitenden ausreichend Autonomie ein. Eine freie Zeiteinteilung und genügend Autonomie helfen, psychischen Herausforderungen vorzubeugen. Mitarbeitende mit einer hohen Arbeitsbelastung und wenig Autonomie sind häufig psychisch besonders ausgelaugt. Lass die Mitarbeitenden daher selbst über Arbeitszeiten, Ausführung der Aufgaben und die Zeitplanung entscheiden.
  • Führe eine Politik der offenen Tür. Stelle sicher, dass die Mitarbeitenden immer wissen, dass sie bei Problemen direkt zu dir kommen können. Egal wie klein. Manchmal ist es für Arbeitnehmer*innen einfacher, sich an Kolleg*innen oder eine unabhängige Person zu wenden. Ein Buddy- oder Mentor*innen-System und die Ernennung einer Vertrauensperson können dabei helfen.
  • Führe besprechungsfreie Freitage ein, an denen sich die Mitarbeitenden auf ihre Aufgaben konzentrieren können. So können sie mit einem besseren Gefühl in das Wochenende starten.

 

Säule 2: Achte auf körperliche Gesundheit

 

Bei den Sonderleistungen des Unternehmens wird zunehmend auf die Gesundheit der Mitarbeitenden geachtet. Das sehen wir natürlich gerne, denn eine gute körperliche Gesundheit trägt zu einer guten psychischen Gesundheit bei (und umgekehrt!).

 

Die körperliche Gesundheit hat Einfluss auf die psychische Gesundheit. Deshalb ist es sinnvoll zu wissen, was man tun kann, um die körperliche Gesundheit der Mitarbeitenden zu fördern:

 

  • Gesunde und frische Mahlzeiten und Obst am Arbeitsplatz oder einen Zuschuss für ein gesundes Mittagessen zur Verfügung stellen
  • Eine Mitgliedschaft oder Zugang zu einem Fitnessstudio am Arbeitsort ermöglichen
  • Ein Bonus, wenn sich Angestellte für ein „Firmenfahrrad“ statt eines Firmenwagens entscheiden. Oder man gibt den Mitarbeitenden generell ein kostenloses (E-)Fahrrad.
  • Ermögliche ausreichend Pausen und animiere die Belegschaft aktiv zu einer Pause an der frischen Luft. Eine vorwiegend sitzende Lebensweise ist äußerst ungesund, weshalb ein täglicher Spaziergang wichtig ist!
  • Sorge für ergonomische Arbeitsplätze mit ausreichend Tageslicht, Pflanzen und frischer Luft. Ziehe auch Stehtische in Betracht.
  • Führe Meetings im Gehen ein. Für viele Besprechungen ist es nicht erforderlich, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Es kann sogar förderlich sein, frische Luft zu schnappen, während man sich berät.
  • Organisiere wöchentliche Bootcamps, Pilates- oder Yogakurse am Arbeitsplatz.
  • Biete den Mitarbeitenden einen medizinischen Gesundheitscheck an, zum Beispiel über OpenUp Medical.
  • Gib kleine Anstöße in die richtige Richtung, indem du zum Beispiel einen Zettel an den Aufzug hängst, auf dem steht, wie viele Kalorien man beim Treppensteigen verbrennt, oder indem du gut sichtbar Obstschalen aufstellst.
  • Nehmt als Unternehmen an Wettbewerben teil, zum Beispiel an einem Lauf.
  • Lade in regelmäßigen Abständen Masseur*innen in den Betrieb ein und biete Massagen für die Mitarbeitenden an.

 

Säule 3: Nutze geeignete Ressourcen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit

 

Es gibt eine ganze Reihe von Tools und Ressourcen, die man einsetzen kann, um präventiv für das psychische Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu sorgen. Außerdem können andere Sonderleistungen den Mitarbeitenden dabei helfen, psychischen Herausforderungen vorzubeugen.

 

Ermögliche deinen Mitarbeitenden anonymen und unbegrenzten Zugang zu Gespräche mit zertifizierten Psycholog*innen, den Gruppeneinheiten und Achtsamkeitssitzungen von OpenUp. Psychologin Pia Linden: „Mitarbeitende, die Zugang zu OpenUp haben, fangen oft viel früher an, sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Oft sieht man, dass sie dafür zunächst Content und andere Inhalte zur Selbsthilfe nutzen. Wenn das schon ausreicht: großartig! Wenn nicht, vereinbaren sie oft noch in derselben Woche einen Termin für ein Einzelgespräch mit unseren Psycholog*innen.“

 

Weitere Dinge, die du anbieten kannst, sind: 

  • Abonnement für eine Meditations-App wie zum Beispiel Calm.
  • Zusätzliche Urlaubstage für die Ausübung von freiwilligen Tätigkeiten oder Hobbys (ohne dass Mitarbeitende dafür zur Rechenschaft gezogen wird). Das erzeugt ein Gefühl der Erfüllung und lädt den Akku wieder auf.
  • Die Möglichkeit, regelmäßig eine längere Zeit frei zu nehmen. Auch wenn diese Möglichkeit bei vielen Unternehmen bereits besteht, haben viele Mitarbeitende noch eine gewisse Hemmung, tatsächlich längere Zeit frei zu nehmen. Unterstütze daher die Mitarbeitenden, indem du sie einerseits dazu animierst, eine längere Zeit frei zu nehmen und ihnen andererseits bei praktischen Fragen hilfst (wenn sie zum Beispiel von einer Reise in ferne Länder träumen).
  • Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, remote bzw. im Homeoffice zu arbeiten.
  • Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, damit Eltern in der Nähe ihrer Kinder sind. Dies kann stressmindernd wirken und Eltern – die ohnehin schon viel zu tun haben – eine Menge Zeit ersparen.
  • Entspannungsabonnement nach Wahl, zum Beispiel ein Zeitschriftenabo oder eine Dauerkarte für die Sauna.
  • Achtsamkeitsübungen am Arbeitsplatz oder über angeleitete Videosessions, wie sie OpenUp anbietet.

 

 

Wie helfen wir bei der Gesundheitsvorsorge psychischer Herausforderungen?

 

Obwohl viele Menschen mit einer Ausbildung im Bereich Psychologie im HR-Bereich arbeiten, braucht es externe Unterstützung. Es ist wichtig zu erkennen, dass deine Verantwortung für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden begrenzt ist – alleine schon wegen der verfügbaren Zeitressourcen.

 

Viele Arbeitnehmer*innen wollen außerdem eher mit einer externen Partei über ihr psychisches Wohlbefinden sprechen als mit jemandem, der unmittelbar mit dem Arbeitsplatz verbunden ist.

 

Unser Schwerpunkt liegt auf die Gesundheitsvorsorge

 

OpenUp unterstützt HR-Professionals beim Vorbeugen von psychischen Herausforderungen. 95% unserer Arbeit ist auf Prävention ausgerichtet, nur etwa 5% auf Heilung. Wir bieten rechtzeitig Unterstützung, bevor sich die alltäglichen Herausforderungen summieren und zu langfristigen Problemen werden.

 

„Weil Menschen wissen, dass wir schnell und einfach zu erreichen sind, wenden sie sich oft schon an uns, wenn ihre Beschwerden noch im Anfangsstadium sind. So sehen wir das natürlich gerne! Nicht umsonst kann Mitarbeitenden in 90% der Fälle bereits nach 3-5 Gesprächen vollständig geholfen werden“, sagt Pia Linden.

 

Benötigen Mitarbeitende noch mehr Unterstützung? Dann leiten wir sie an die entsprechenden Fachkräfte weiter. Bis Mitarbeitende weitere Unterstützung erhalten, bleiben wir immer für sie erreichbar.

 

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