Psychische Gesundheit: Weg mit dem Stigma

6 Oct ‘22
2 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Judith Klenter
Ein gebrochenes Bein? Ab ins Krankenhaus. Eine Depression? Na, so schlimm kann es doch nicht sein! Das Thema mentale Gesundheit wurde lange Zeit nicht ernst genommen. Sich deshalb krankschreiben lassen oder im Team darüber zu sprechen, war beinahe schon eine Revolution – zumindest vor 10 Jahren.

 

In der Zwischenzeit hat sich einiges geändert. Arbeitnehmer*innen, die zu den Millennials und Generation Z gehören, verlangen einer Deloitte-Studie zufolge Jobs mit guter Work-Life-Balance, die ihrer mentalen Gesundheit gut tun. Offen über mentale Gesundheit und psychische Herausforderungen zu sprechen ist also die Zukunft – nicht nur im Privaten, sondern auch, ganz offen, in der Arbeitswelt. 

 

Anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit am 10. Oktober haben wir analysiert, was sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland so getan hat. In diesem Artikel erfährst du, wie du selbst zum Ambassador für mentale Gesundheit werden und in deinem Unternehmen ganz offen über dieses wichtige Thema sprechen kannst.

 

Damals und heute 

 

Über mentale Gesundheit zu sprechen ist leider immer noch mit einem Stigma verbunden. 46 % der im Rahmen einer Linkedin-Umfrage befragten Arbeitnehmer*innen erfinden Ausreden, um nicht über psychische Gesundheit sprechen zu müssen. 

 

Oftmals schieben sie sogar körperliche Beschwerden vor, da diese durch unsere Gesellschaft oft als akzeptierter empfunden werden. Fast die Hälfte der Befragten denkt auch, es könnte der eigenen Karriere und dem Vorankommen im Unternehmen schaden, über mentale Herausforderungen zu sprechen. Dass die Sorge begründet ist, zeigen auch die Gespräche, die unsere Psycholog*innen von OpenUp führen. 

 

Im Schnitt werden mehr als 25 % der Deutschen mit einer mentalen Herausforderung konfrontiert. Besonders häufig sind Angstzustände oder affektive Störungen wie Depressionen. Wusstest du, dass mehr als jeder siebte Erwachsen im Laufe des Lebens mindestens einmal die diagnostischen Kriterien für eine Depression erfüllt?

 

Wenn darüber sprechen schon schwer fällt, dann sieht es beim Suchen nach geeigneter Unterstützung leider auch nicht viel besser aus. Obwohl mehr als 18 Millionen Deutsche betroffen sind, suchen sich weniger als 19 % Hilfe. Daher ist die Bundesrepublik Deutschland schon länger aktiv damit beschäftigt, das große Stigma zu brechen.

 

 

Historisch betrachtet

 

Im Jahr 1975 wurden in Deutschland auf regionaler Ebene erstmals Daten zum Vorkommen und Verlauf psychischer Störungen gesammelt. Daraufhin folgte eine Bundes-Gesundheits-Survey vom Robert Koch-Institut. Auch in den Jahren 2009-2012 folgten weitere Studien zur psychischen Gesundheit der erwachsenen Bevölkerung. Mit Hilfe dieser Ergebnisse konnten dementsprechend die Grundlagen der Diagnostik und Klassifikationssysteme weiterentwickelt werden. 

 

Außerdem wurden altmodische Begriffe wie „psychische Krankheit” durch neutrale und weniger stigmatisierende Begriffe wie „psychische Störung” abgelöst. Viele Psycholog*innen bevorzugen mittlerweile auch Begriffe wie „psychische Herausforderung”, um das Tabu zu brechen. 

 

Die Weiterentwicklung der Prävention ist ein großer Schwerpunkt innerhalb der deutschen Gesundheitspolitik. Dadurch soll Ausgrenzung von Betroffene verhindert, und die Teilhabe und gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessert werden. Doch nicht nur der Staat, auch du kannst einen Unterschied machen!

 

 

Werde zum Ambassador für mentale Gesundheit

 

In erster Linie wollen wir natürlich alle, dass es unseren Kolleg*innen gut geht und eine positive Grundstimmung herrscht. Aber auch in punkto Produktivität spielt die mentale Gesundheit eine große Rolle: Die WHO schätzt, dass Depressionen und Angststörungen der Weltwirtschaft jedes Jahr 1 Billion US-Dollar an Produktivitätsverlusten kosten

 

Im Jahr 2019 mussten deutsche Unternehmen 67,5 Milliarden Euro für erkrankte Mitarbeiter*innen aufwenden. Und diese Zahl steigt stetig.

 

Für Unternehmen und HR-Manager*innen ist es daher wichtig, Mitarbeitenden präventive Hilfe anzubieten und für eine offene Gesprächskultur zu sorgen. So können Fehlzeiten und lange Krankschreibungen vermieden werden. Zudem steigt auch die Produktivität, wenn sich alle Teammitglieder gehört und gesehen fühlen. 

 

Mit diesen 4 Tipps wirst du selbst zum Ambassador für mentale Gesundheit:

 

  1. Wissen, wie man heikle Situationen erkennt

 

Stress, Überforderung, ein angespannter Gesichtsausdruck, wiederholte Fehler, ungewöhnliche Reizbarkeit, plötzliche Nachlässigkeit, die Tendenz, sich zu isolieren: Die Signale für psychische Herausforderungen können ebenso vielfältig wie zahlreich sein. Wenn du lernst, sie zu erkennen, kannst du Kolleg*innen in einem 1:1 Gespräch darauf ansprechen und ihnen Unterstützung anbieten.

 

  1. Dialog fördern

 

Eine offene Gesprächskultur hilft bei der Prävention. Höre aktiv zu und biete Teammitgliedern an, sich gemeinsam auszutauschen. Dadurch wirst du bereits früh auf schwierige Situationen aufmerksam und kannst anbieten, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wichtig: Urteile dabei nicht und verharmlose die Probleme der Betroffenen nicht.

 

  1. Unterstütze Präventionsmaßnahmen 

 

Vorsorge ist besser als Nachsorge, heißt es bekanntlich. Geh mit positivem Beispiel voran und fördere einfache Präventionsmaßnahmen:

 

  • Nimm regelmäßig Pause, auch wenn sie bloß kurz sind. Es tut gut, sich mal zu dehnen, tief einzuatmen, zu meditieren oder einfach nur Tee zu trinken, Musik zu hören oder kurz rauszugehen.
  • Setze Prioritäten, um zu bestimmen, welche Aufgaben dringend sind und welche weniger.
  • Erkenne deine Grenzen, indem du lernst Nein” oder Dafür brauche ich etwas mehr Zeit” zu sagen und vermeide so unnötigen Druck.
  • Erledige eine Aufgabe nach der anderen. Multitasking kann ein großer Stressfaktor sein und hat ebenfalls Auswirkungen auf unsere Effizienz.
  • Feiere (auch kleine) Erfolge, um dein Selbstwertgefühl zu steigern und deine Arbeit zu würdigen.
  • Sei optimistisch, denn das fördert die Motivation und Leistung.

 

  1. Sprich mit Bezugspersonen

 

Wenn du unsicher bist, wie du dich gegenüber Kolleg*innen in einer schwierigen Situation verhalten sollst, kannst du dich an eine wichtige Bezugsperson wenden. Das kann die Führungskraft oder eine interne Vertrauensperson im Unternehmen sein. Gemeinsam könnt ihr Teammitglieder noch optimaler und effizienter unterstützen.

 

 

So kann dir OpenUp dabei helfen

 

Die jährliche Studie von OpenUp in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut DirectResearch zeigt, dass die Lage in Deutschland äußerst zwiegespalten ist: Zwar halten 89% aller Befragten aus dem Bereich Human Resources mentale Gesundheit für einen Einflussfaktor auf die Arbeitsleistung, nur 35% kennen derzeit angebotene Dienstleistungen und Tools. Wir finden das eine verpasste Chance.

 

80% der Mitarbeitenden geben nämlich an, es wichtig zu finden, dass Initiativen für die psychische Gesundheit vom Arbeitgeber*innen angeboten werden. Das hat auch einen Grund: Denn 47% der Mitarbeitenden sprechen nicht offen über ihre mentalen Herausforderungen und würden daher von einer anonymen Dienstleistung profitieren.

 

Wie wäre es, wenn wir gemeinsam daran arbeiten? Mit OpenUp erhalten alle Mitarbeitenden unbegrenzten Zugang zu Gesprächen mit zertifizierten Psycholog*innen – und zwar anonym und innerhalb von 24 Stunden. Wir vereinbaren Termine auf einer einzigen Online-Plattform, damit sich Teammitglieder voll und ganz auf ihre psychische Gesundheit konzentrieren können. Sei es durch persönliche Beratungen, Gruppensitzungen zu verschiedensten Themen oder Mindfulness-Übungen.

 

Indem du deine Mitarbeitenden täglich unterstützt und für ihr Wohlbefinden sorgst, erhalten sie die nötigen Tools, um sich im Unternehmen entfalten zu können, offen über ihre Anliegen zu sprechen und fokussiert zu arbeiten. Erfahre hier mehr darüber, wie OpenUp dir dabei helfen kann, die mentale Gesundheit deiner Mitarbeitenden (und somit ihre Produktivität) zu fördern.