Trendbericht: Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz 2023 

10 Jan ‘23
5 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Eva Rüger
mental health trends 2023

Das Europäische Parlament hat das Jahr 2023 zum Jahr der psychischen Gesundheit ausgerufen. Ziel dieser Kampagne soll es sein, das mentale Wohlbefinden in der Arbeitswelt zu fördern. Psychische Gesundheit soll den gleichen Stellenwert wie körperliche Gesundheit bekommen. 

 

Arbeitsbedingte psychische Schwierigkeiten kommen immer häufiger vor. Dennoch wird das Thema mentale Gesundheit in vielen Unternehmen noch nicht oder zu wenig thematisiert. Das Jahr 2021 hat Rekordzahlen an Fehltagen verzeichnet. Grund dafür waren häufig psychische Herausforderungen.

 

Fast doppelt so viele Tage haben Arbeitnehmer*innen im Vergleich zu den Jahren davor am Arbeitsplatz gefehlt. Aus diesem Anlass wollen wir beleuchten, welche Trends das Arbeitsumfeld im Jahr 2023 prägen werden. Wie können Organisationen und Unternehmen darauf reagieren, um die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fördern? 

 

Resilienz als wichtige Eigenschaft 

 

Resilienz ist eine Eigenschaft, die immer wichtiger wird. Sie sagt aus, wie belastbar jemand ist. Eine resiliente Person kann gut mit Veränderungen oder Rückschlägen umgehen. Resilienz ist sozusagen unsere psychische Widerstandskraft. 

 

Diese wird durch negative Einflüsse von außen immer mehr herausgefordert: erst die Pandemie, dann der Ukraine-Krieg und jetzt die Energiekrise. Alles Umstände, die uns Angst machen, unsere Sicherheit gefährden oder uns Sorgen bereiten. Personen, die wenig Resilienz haben, können dadurch schnell aus der Bahn geworfen werden. 

 

Resilienz ist nicht nur im Privaten, sondern auch im Arbeitsleben immer gefragter. Schließlich ist die Arbeit der größte Stressfaktor für die Deutschen. Um Burn-out oder anderen psychischen Herausforderungen vorzubeugen, ist es wichtig, die Anfälligkeit für Stress zu minimieren. Zum Glück gibt es viele Methoden, wie man die psychische Widerstandskraft stärken kann. Mit Achtsamkeit, ausreichend Erholung und dem Fördern von positiven Emotionen am Arbeitsplatz kann man die Resilienz von Mitarbeitenden unterstützen. 

 

Regelmäßige Pausen sind wichtig, um sich gut erholen und Energie für den nächsten Tag tanken zu können. Außerdem wirken sich Pausen positiv auf die Konzentration und Produktivität aus. 

 

Dafür sollten die Pausen während des Arbeitstages eingehalten werden. Am Abend oder am Wochenende sollten Mitarbeitende auch genügend Zeit haben, um abzuschalten. Arbeit mit nach Hause zu nehmen, tut dem Erholungsfaktor nicht gut. Wenn eine Deadline ansteht, kann dies schon mal der Fall sein. Es sollte allerdings nicht zur Regel werden. 

 

Ein gutes Betriebsklima ist wichtig für die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz. Aktivitäten, bei denen man sich besser kennenlernen kann, sind nicht nur für neue Mitarbeitende von Bedeutung. Sich mit seinen Kollegen auch mal abseits des Arbeitsplatzes und über andere Themen als die Arbeit zu unterhalten, trägt zu einer besseren Beziehung bei und fördert positive Erfahrungen am Arbeitsplatz. 

 

Work-Life-Blending statt Work-Life-Balance 

 

Das Konzept der Work-Life-Balance ist nicht neu. Mitarbeitende wünschen sich schon lange, Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. Die Arbeit sollte zeitlich und mental genügend Raum für Aktivitäten lassen, mit denen man seine Energiereserven wieder aufladen kann. 

 

Unternehmen kommt das zugute, indem Mitarbeitende ausgeglichener und zufriedener sind und mit mehr Konzentration und Fokus an die Arbeit gehen.

 

Mittlerweile sollten Arbeit und Privatleben nicht nur gut vereinbar sein, sondern fließend ineinander überlaufen. Das heißt, Mitarbeitende wollen da arbeiten, wo sie auch ihre Freizeit verbringen. Das kann im Café, zuhause oder an einem sonnigen Urlaubsort sein. Im Zuge dessen werden flexible Arbeitsmodelle immer wichtiger. 

 

Mit Firmenhandy und Laptop sind wir flexibel und können von überall aus arbeiten. Die Vorteile der Digitalisierung bringen allerdings auch Herausforderungen mit sich. Man ist ständig erreichbar und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. 

 

Das kann zu einem hohen Stresspegel führen und in Folge die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Um dem vorzubeugen, können zum Beispiel Zeiten vereinbart werden, in denen Mitarbeitende nicht erreichbar sind. 

 

New Work – Neue flexible Arbeitsmodelle 

 

Das klassische 9-to-5-Arbeitsmodell hat längst ausgedient. Jobs, die diesen strikten Arbeitszeiten folgen, müssen Platz machen für flexiblere Modelle. Die Pandemie war sicher ein Auslöser für diesen Wandel. In den letzten zwei Jahren haben wir eingreifende Veränderungen erlebt. Nicht nur im Privaten, sondern auch im Berufsleben. 

 

Der typische Büroalltag hat für viele zuhause stattgefunden. Dadurch wurden bisherige Arbeitsprozesse in Frage gestellt und Führungskräfte vor eine neue Herausforderung gestellt. 

 

Homeoffice ist eine feste Konstante im Arbeitsalltag geworden und wird von Mitarbeitenden bei einem Job meist schon erwartet. Dieser Wandel ist nicht aufzuhalten und bringt immer mehr flexible Arbeitsmodelle hervor. 

 

Hybrid Work 

 

Unter hybrider Arbeit versteht man die Mischung aus Home Office und Büro. Auf dieses Modell sind viele Unternehmen nach dem Lockdown umgestiegen. Damit will man Mitarbeitende wieder ins Büro holen und ihnen gleichzeitig ein Stück Flexibilität einräumen. 

 

Es gibt jedoch auch Arbeitnehmer*innen, die auf die Vorteile des Home Office nicht mehr verzichten wollen. Ihre gewonnene Work-Life-Balance ist ihnen wichtiger geworden als das Gehalt. Hat man die Möglichkeit des hybriden Arbeitens nicht, kann dies für manche sogar ein Kündigungsgrund sein. Laut einer Studie von Personio zieht die Hälfte aller Arbeitnehmer*innen einen Jobwechsel in Erwägung – ein möglicher Grund sei die Rückkehr ins Büro. 

 

Remote Work 

 

Einen Schritt weiter geht Remote Work. Im Gegensatz zu Home Office muss die Arbeit hier nicht innerhalb der eigenen vier Wände verrichtet werden. Es steht den Mitarbeitenden frei, wo sie ihre Arbeit erledigen. In manchen Fällen kann man sich auch die Arbeitszeit selbst einteilen. Mitarbeitende wollen selbstbestimmt arbeiten und ihre Träume verwirklichen. Dazu zählen nicht nur die Karriere, sondern auch private Ziele. 

 

Diese lassen sich mit flexiblen Arbeitsmodellen oft besser vereinbaren. Solchen Bedürfnissen sollten sich Arbeitgeber*innen anpassen. Damit bleiben sie attraktiv auf dem Arbeitsmarkt und können junge Fachkräfte anwerben. 

 

Das neue Wertesystem der Generation Z 

 

Generation Y hat den Arbeitsmarkt bereits revolutioniert. Mit dem Eintritt der Generation Z ins Berufsleben, werden Unternehmen vor neue Herausforderungen gestellt. Es wird zunehmend wichtiger, diese jungen Leute zu verstehen und die Arbeitskultur auf ihre Bedürfnisse anzupassen. 

 

Generation Z ist unabhängig und auf der Suche nach Selbstverwirklichung. Arbeit selbst hat keinen hohen Stellenwert. Viel wichtiger sind ihnen Spaß am Beruf, ein gutes Betriebsklima und sinnvolle Tätigkeiten. Mitarbeitende der Generation Z muss man anders motivieren als mit dem Gehalt. 

 

Das stellt Arbeitgeber*innen vor die Aufgabe, ihren Führungsstil anzupassen und Arbeitsmodelle anzubieten, die einen Mix aus Arbeit und Freizeit ermöglichen. In diesem Fall sind Work-Life-Blending und flexible Arbeitsmodelle Strategien, die man als Unternehmen in Betracht ziehen kann. 

 

Sinnhaftigkeit und Selbstverwirklichung sind zentrale Werte von Generation Y und Z. Um sie zu motivieren, sind Weiter- und Fortbildungen tolle Möglichkeiten. Als Unternehmen signalisiert man den Mitarbeitenden somit, dass man sie wertschätzt und in ihre Zukunft investiert. 

 

Der Führungsstil im Wandel 

 

Leadership muss 2023 neu gedacht werden. Der Wertewandel der jungen Generationen und die Veränderungen am Arbeitsmarkt fragen nach neuen Strategien. Gute Führung wird dabei immer wichtiger. Wie bindet man Mitarbeitende an ein Unternehmen? Wie sorgt man dafür, dass sie gesund und zufrieden bleiben? So bereiten sich Arbeitgeber*innen auf das neue Jahr vor. 

 

Führungskräfte ausbilden 

 

Klassisches Personalmanagement funktioniert in Zeiten von Homeoffice oder Remote Work nicht mehr. Durch neue Arbeitsmodelle ist man von seinen Mitarbeitenden immer öfter zeitlich und räumlich getrennt. Da sollte man nicht nur den Führungsstil, sondern auch die Art der Kommunikation anpassen. 

 

Im Fall von Hybrid oder Remote Work braucht es Führungskräfte, die ihren Mitarbeitenden ein gewisses Vertrauen entgegenbringen. Man sollte darauf vertrauen, dass die Arbeit erledigt wird, auch wenn dies nicht vom Büro aus geschieht. Das zeigt eine Wertschätzung den Mitarbeitenden gegenüber und lehrt sie gleichzeitig, Eigenverantwortung zu übernehmen.

 

Unentbehrlich hierfür ist allerdings die richtige Kommunikation. Man sollte sich regelmäßig austauschen, um dafür zu sorgen, dass die Erwartungen auf beiden Seiten klar sind. Eine offene Kommunikation widerstrebt nicht dem Gedanken von Vertrauen. Führungskräfte sollten dementsprechend ausgebildet oder geschult werden. 

 

Feedbackgespräche priorisieren 

 

Aus der Studie von Personio geht hervor, dass seit der Pandemie weniger Mitarbeitergespräche geführt wurden. Feedbackgespräche spielen aber eine entscheidende Rolle für die Mitarbeiterbindung. Sie geben Mitarbeitenden die Möglichkeit mitzuteilen, wie es ihnen geht. Das kann beruflicher oder privater Natur sein. Dadurch bekommen Vorgesetzte einen Einblick in das Befinden ihrer Mitarbeitenden. 

 

Bei diesen Gesprächen muss es nicht immer um Performance gehen. Man sollte auch auf die mentale Gesundheit seiner Mitarbeitenden eingehen. Als Arbeitgeber*in kann man bei Anzeichen von Herausforderungen versuchen zu helfen, um Erkrankungen wie ein Burn-out zu verhindern. In Unternehmen, die auf diese Art von Führung Wert legen, sind Mitarbeitende außerdem zufriedener. 

 

Burn-out-Prävention 

 

Berufliches und Privates zu trennen, ist in Zeiten von Remote Work und Home Office schwieriger denn je. Ist man in einem Bereich unzufrieden, kann das Auswirkungen auf unsere mentale Gesundheit haben. Eine typische Erkrankung, die oft arbeitsbedingt ausgelöst wird, ist nach wie vor Burn-out. 

 

Das Vorbeugen dieser psychischen Krankheit sollte daher nicht vernachlässigt werden. Denn sie kann die Leistungsfähigkeit im Job und somit auch den Erfolg des Unternehmens stark beeinflussen. 

 

Hat man zu viele Aufgaben, kann man nicht Nein sagen oder steht man ständig unter Druck, kann das über längere Zeit zu einem Burn-out führen. Ein ausgeglichenes Arbeitspensum und das Trennen von Arbeit und Freizeit sind sehr wichtig für die psychische Gesundheit. Darüber zu reden, ist auch ein wichtiger Punkt. 

 

Unternehmen sollten das Thema Burn-out besprechbar machen und Mitarbeitenden dazu motivieren, darüber zu sprechen. Das kann intern sein oder man holt sich Hilfe von außen. 

 

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