Krieg in der Ukraine: Umgang mit Sorgen von Beschäftigten

3 Nov ‘22
4 min
OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Ida Dommerholt
Ukraine
Der Krieg in der Ukraine beschäftigt uns alle. Doch während sich die einen leicht von der Situation distanzieren können, löst sie bei anderen Gefühle von Stress, Anspannung oder Angst aus. Viele Menschen nehmen diese Gefühle mit zur Arbeit. Wir erklären, wie du deine Mitarbeitenden diesbezüglich am besten unterstützen kannst.

 

Wir haben bereits darüber geschrieben, was du selbst – als Einzelperson – tun kannst, um mit den Gefühlen der Angst in Zusammenhang mit dem Krieg umzugehen. Jetzt, da der Krieg in der Ukraine in eine neue Phase übergeht, erleben wir, dass immer mehr Menschen besorgt sind und nicht wissen, wie sie mit diesen Gefühlen umgehen sollen. Was kannst du als HR-Professional für sie tun?

 

Die Auswirkungen des Krieges auf die Mitarbeitenden

 

In den Gesprächen, die Psycholog*innen mit den Mitarbeitenden führen, wird deutlich, dass sich die Menschen angesichts der nuklearen Bedrohung machtlos und ängstlich fühlen. Menschen mit russischen Angehörigen oder Freund*innen empfinden zudem Scham oder Unsicherheit in Bezug auf eine (mögliche) Mobilisierung ihrer Bekannten.

 

Die französische Zeitung Le Monde führte eine Umfrage unter Leser*innen und Psychiater*innen durch und stellte fest, dass Gefühle der Alarmbereitschaft und Vorsicht sowie Zukunftsängste, Angststörungen und Schlaflosigkeit weit verbreitet sind.

 

Als HR-Professional kannst du einiges tun, um dein Team zu unterstützen. Hier haben wir 7 Möglichkeiten für dich aufgelistet:

 

 

1. Normalisiere jede Reaktion

 

Während sich der Krieg für die einen wie eine weit entfernte Begebenheit anfühlt, ist er für andere ganz nah. Egal wie jemand reagiert: Gib den verschiedenen Reaktionen Freiraum und erkenne jede (nicht verletzende) Reaktion als gerechtfertigt an. Denn wie der Psychiater Viktor Frankl so schön sagte: „Eine abnormale Reaktion auf eine abnormale Situation ist normales Verhalten.“

 

Du kannst über verschiedene Kanäle – zum Beispiel E-Mail oder das Intranet – zum Ausdruck bringen, dass du als Arbeitgeber*in Verständnisvoll bist, wenn der Krieg belastende Gefühle hervorrufen sollte. Und dass es in Ordnung ist, wenn man dadurch weniger konzentriert, kreativ oder belastbar ist als sonst. Dies alles sind logische Folgen des zugrunde liegenden Stresses und somit völlig normal.

 

2. Schütze gefährdete Mitarbeitende vor Ausgrenzung

 

Psychologin Ida Dommerholt: „In unseren Gesprächen hören wir, dass russische Mitarbeitende manchmal unter Druck gesetzt oder ausgegrenzt werden. Lege daher eine Grundregel in deinem Unternehmen fest: Ausgrenzung, Ablehnung oder Mobbing sind niemals in Ordnung.“ Kommuniziere diese Regel aktiv mit den Mitarbeiter*innen.

 

Ida sagt weiter: „Dabei ist es wichtig, zu betonen, dass die russischen Teammitglieder nicht die Personifizierung dieses Konflikts sind. Sie sind genauso wenig verantwortlich für das, was in der Ukraine geschieht, wie jede*r andere Kolleg*in auch. Und genau wie alle anderen haben sie das Recht, nicht darüber sprechen zu wollen.“

 

3. Gib Tipps für den Nachrichtenkonsum

 

Kriegsnachrichten können überwältigend sein. Unterstütze dein Team mit folgenden Tipps:

  • Beschränke deinen Nachrichtenkonsum auf einmal pro Tag. Vereinbare einen Zeitpunkt mit dir selbst und halte dich daran (zum Beispiel: Jeden Abend lese ich 10 Minuten lang die Nachrichten). Du kannst dir, wenn nötig, einen Timer stellen.
  • Ziehe textbasierte Nachrichten (eine Zeitung, App oder Website) den Nachrichten im Fernsehen vor. So kannst du selbst entscheiden, welche Beiträge du lesen bzw. nicht lesen möchtest und du kannst dich auch dazu entschließen, bestimmte Videos nicht anzusehen.
  • Wähle einen Nachrichtendienst, die dich wohl fühlen lassen. Folge nur diesen Nachrichtendienst.
  • Natürlich ist es auch möglich, gar keine Nachrichten zu verfolgen. Willst du trotzdem auf dem Laufenden bleiben? Hol dir dann morgens oder abends ein kurzes Update von deinem Freundeskreis oder von Kolleg*innen. Auf diese Weise bleibst du immer noch informiert, wirst aber nicht mehr mit allen Einzelheiten konfrontiert und erhältst die Nachrichten auf eine sanftere Art und Weise.

 

Der Krieg in der Ukraine kann zu finanziellem Stress führen. So kannst du Mitarbeitende mit Geldsorgen unterstützen.

 

4. Erkundige dich bei deinen Kolleg*innen

 

Kommunikation ist das A und O. Wir empfehlen dir ohnehin, dich täglich oder zumindest wöchentlich bei deinen Mitarbeitenden zu erkundigen. Aber im Zusammenhang besonderer Ereignisse, wie zuvor der COVID-19-Pandemie und nun dem Krieg in der Ukraine, ist es wichtig, ganz besonders darauf zu achten.

 

Empfiehl den Führungskräften und Teamleads, sich regelmäßig mit ihren Teammitgliedern und Kolleg*innen auszutauschen. Frage nach, wie sie sich angesichts der Situation in der Ukraine fühlen, sowohl in formellen als auch in informellen Gesprächen.

 

Weise Mitarbeiter*innen darauf hin, dass die Tür für ein Gespräch immer offen steht: Sei es mit der Führungskraft selbst oder der Personalabteilung, mit einer Vertrauensperson oder Psycholog*innen.

 

5. Konzentriere dich nicht zu sehr auf die Situation an sich

 

Wenn du mit jemandem über belastende Gefühle im Zusammenhang des Krieges sprichst, ist es besser, nicht über die Kriegssituation an sich zu sprechen. Auch dann nicht, wenn deine Worte beruhigend wirken sollen.

 

Stelle stattdessen die Gefühle der Person selbst in den Mittelpunkt. Hier kannst du nämlich einen bedeutenden Unterschied machen. Stelle ehrliche Fragen und höre mit einer offenen und einfühlsamen Haltung zu. Warum hat die Person diese Gefühle? Welche Auswirkungen haben diese auf das tägliche Leben der Person? Was kannst du tun, um diese Person zu unterstützen?

 

6. Bringe Menschen miteinander in Kontakt

 

Zu wissen, dass man nicht allein ist und dass andere unter ähnlichen Gedanken leiden, kann ein großer Trost sein. Bringe Menschen miteinander in Kontakt, die sich gemeinsam zu diesem Thema austauschen wollen, natürlich nur nach Zustimmung der betroffenen Personen.

 

Schaffe Raum für ein kurzes, wöchentliches Treffen, bei dem über Gefühle gesprochen und Ratschläge ausgetauscht werden können. Erkläre ausdrücklich, dass alle Personen willkommen sind. 

 

Bist du dir unschlüssig, welche Menschen du miteinander in Kontakt bringen sollst? Organisiere das Treffen und gib bekannt, dass jeder, der möchte, teilnehmen kann. Schicke eine E-Mail an das ganze Unternehmen, in der du mitteilst, wo und wann Zeit und Raum für den Austausch untereinander vorgesehen sind.

 

Es ist hilfreich, eine Vertrauensperson bei diesen Gesprächen dabeizuhaben. Diese Person kann das Gespräch begleiten und lenken, wo es nötig ist, um zu verhindern, dass sich die Gefühle noch verstärken.

 

7. Biete langfristige Unterstützung an

 

Es ist nicht immer einfach, bei all deinen Kolleg*innen am Ball zu bleiben. Deshalb ist es nur logisch, dass du dabei etwas Unterstützung benötigst. OpenUp kann dir dabei helfen, indem Mitarbeitende die Möglichkeit bekommen, jederzeit mit Psycholog*innen über ihre Gefühle zu sprechen.

 

Unser Team an psychologischen Fachkräften führt viele Gespräche mit Menschen, die aufgrund der Kriegssituation Stress oder Anspannung erleben. Ganz egal, ob es sich um Ukrainer*innen oder Russ*innen  handelt, die direkt mit der Situation in Verbindung stehen, oder um Menschen, die nicht direkt betroffen sind. Du kannst in 19 Sprachen mit unseren Psycholog*innen sprechen, darunter auch Ukrainisch und Russisch.

 

Kurz gesagt, auf die Situation an sich hast du zwar keinen Einfluss, aber zum Glück kannst du deine Mitarbeitenden dennoch unterstützen, so gut wie möglich mit der Situation und den damit verbundenen Gefühlen umzugehen.

👉🏼 Erfahre, was OpenUp für dein Unternehmen tun kann.