Die Work-Life-Balance verändert sich: Trends und Risiken, auf die man achten sollte

OpenUp Redaktion
Überprüft von Psycholog*in Ida Dommerholt

Die Zukunft vorhersagen, das geht nur in Filmen. Und im nachfolgenden Artikel. Denn darin verraten wir dir, mit welchen Trends auf dem Gebiet der Work-Life-Balance du in Zukunft rechnen kannst. Denn die verändern sich sehr schnell.

 

Anhand von fünf Trends verraten wir dir, welche Risiken auf dich zukommen und wie du mit Hilfe von OpenUp damit umgehen kannst.

Warum eine gesunde Work-Life-Balance so wichtig ist

Der wichtigste Grund, warum man eine ausgewogene Work-Life-Balance in den Fokus rücken sollte, liegt darin, dass dies eine Voraussetzung für glückliche und gesunde Mitarbeitende ist.

 

Mitarbeitende, die ausreichend Zeit für sich selbst haben: 

  • Schlafen nachts besser;
  • Halten ihren Energiepegel aufrecht, indem sie genügend Zeit für soziale Kontakte, Hobbys und Sport haben,
  • Haben bessere Laune und sind geduldiger;
  • Empfinden mehr Genugtuung bei ihrer Arbeit, wodurch sie ihre Aufgaben mit größerer Motivation angehen;
  • Können klarer denken und sich besser konzentrieren.

 

Wie du siehst, ist eine gute Work-Life-Balance sowohl für die Teammitglieder als auch für das Unternehmen von Vorteil. Ein Gleichgewicht sorgt letztendlich für weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten und eine geringere Wahrscheinlichkeit der Abwanderung von Mitarbeitenden. Ein gutes Angebot an Leistungen für die psychische Gesundheit steht zunehmend weiter oben auf der Liste der Anforderungen, die den Mitarbeitenden gestellt werden. Der unbegrenzte Zugang zu Beratungsgesprächen mit anerkannten Psycholog*innen hilft nicht nur dabei, die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten und krankheitsbedingte Fehlzeiten zu vermeiden, sondern hilft auch, zu verhindern, dass Mitarbeitende kündigen.

 

Welche Trends in Bezug auf die Bedürfnisse für eine Work-Life-Balance sind zu erkennen?

 

Wir sehen einige Muster bei den Bedürfnissen der Mitarbeitenden in Bezug auf die Work-Life-Balance. Einige davon wachsen schon seit Jahren langsam an – wie etwa die Emanzipation im häuslichen Umfeld, wo die Haushaltstätigkeiten immer weniger nach Geschlecht aufgeteilt sind – andere haben durch Corona einen enormen Wachstumsschub erhalten – wie etwa das Bedürfnis nach Flexibilität.

Trend 1: Lebst du, um zu arbeiten, oder arbeitest du, um zu leben? 

 

Hast du dir schon einmal Gedanken um den englischen Ausdruck Work-Life-Balance gemacht? Er suggeriert, dass Arbeiten und Leben zwei verschiedene Aktivitäten sind. Unter der Woche arbeitest du und an deinen freien Tagen lebst du. Anders gesagt: Du arbeitest, um zu leben.

 

Diese Auffassung gehört für viele – und insbesondere für die jüngeren Generationen – der Vergangenheit an. Wir arbeiten, weil wir einen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen. Arbeit sollte sich nicht wie Arbeit anfühlen, sondern wie Leben. Wenn wir auf einen Teil unseres Gehaltes verzichten müssen, dafür aber einen Job „mit Sinn“ haben, der zu uns passt, dann tun wir das gerne.

 

Untersuchungen von PwC zeigen, dass wir lieber weniger verdienen und bei einem sinnorientierten Unternehmen arbeiten, das zu unseren Werten passt, als viel zu verdienen und gleichzeitig – zum Beispiel – den Planeten zu verschmutzen.

 

Außerdem gibt es eine wachsende Gruppe Menschen, die wenig Sinn in Selbstverwirklichung, Materialismus und Anerkennung sieht, da diese von Dingen ablenken, die im Leben wirklich wichtig sind.

  

Trend 2: Verlagerung von Quantität zu Qualität

 

Der Trend hat sich zwar schon eine Zeit lang abgezeichnet, aber auch diese Entwicklung hat sich während der – wer weiß wie vielen – Lockdowns rasant beschleunigt.

 

Vor allem Arbeitsplätze, die Kreativität, Wissen und Innovation erfordern, profitieren weniger von quantitativen Regeln, Zielen und festen Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr. Die Mitarbeitenden teilen ihren Tag viel lieber anhand der anstehenden Aufgaben und ihres Energiehaushaltes ein. Weniger Fokus auf geleisteten Arbeitsstunden, mehr auf die erbrachte Leistung.

 

Mittags um 12 Uhr Sport machen und abends um 20 Uhr noch ein wenig arbeiten, weil du dann am leistungsfähigsten bist? Warum nicht! In einem bestimmten Zeitraum mehr als vierzig Stunden arbeiten und es zu einer anderen Zeit ruhiger angehen lassen? Auch gut. Solange die Arbeit erledigt wird und die Ergebnisse stimmen.

 

Trend 3: Aktiv einem Burnout vorbeugen

 

Untersuchungen zeigen, dass sich Babyboomer (nach dem Zweiten Weltkrieg geboren) und Generation X (vor 1980 geboren) nur wenig Gedanken über die Prävention von psychischem und physischem Burnout machen.

 

Jüngere Generationen (Millennials – vor 1996 geboren – und Gen Z – nach 1996 geboren) beschäftigen sich viel mehr damit. Sie haben erlebt, wie Eltern oder ältere Familienmitglieder mit ihrer Arbeit und ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen hatten, und wollen dem vorbeugen. Es wird immer mehr zur Normalität, sich zu trauen, offen und ehrlich „Nein“ zu einer bestimmten Aufgabe oder einem Projekt zu sagen, um die eigene psychische Gesundheit zu schützen. Und das halten wir für ausgesprochen sinnvoll.

 

Ein gutes Angebot an Leistungen für die psychische Gesundheit steht zunehmend weiter oben auf der Liste der Anforderungen von Arbeitssuchenden. Der unbegrenzte Zugang zu Beratungsgespräche mit anerkannten Psycholog*innen hilft daher nicht nur, die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten und krankheitsbedingte Fehlzeiten zu vermeiden, sondern hilft auch, neue Talente anzulocken.

 

Trend 4: Mehr Raum für Flexibilität

 

‘Creatives are the new athletes’ ist nicht nur eine Bekleidungsmarke. Es ist auch ein Slogan, der die gegenwärtige Zeit ziemlich gut beschreibt. Wir leben in einem Zeitalter der Kreativen. Innovation, Wissensaufbau, Konzeptentwicklung und Inhaltsschaffung waren noch nie so wichtig. Der Handel mit dem Wissen nimmt enorm zu.

 

Vor allem in der Kreativbranche verlieren Zeit und Ort immer mehr an Bedeutung. Die meisten Kreativen macht man mit einem Schreibtischstuhl, der zu festen Zeit besetzt sein muss, nicht gerade glücklich. Flexibilität in Bezug auf Arbeitsplatz, Arbeitszeiten und geleistete Stunden sind hier viel angebrachter.

 

Trend 5: Emanzipation im häuslichen Umfeld

 

Irgendwann werden Historiker auf unsere Zeit zurückblicken und sagen: „Oh, wie interessant. Damals wurden die Aufgaben im Haushalt noch geschlechterspezifisch aufgeteilt.“ Wir erleben, wie diese Abgrenzung zunehmend verschwimmt und Konzepte wie „Mann“ und „Frau“ für jüngere Generationen immer unwichtiger werden. Das wirkt sich auf das Zusammenspiel von Elternschaft, Aufgaben im Haushalt und Arbeit aus. Elternschaft und Haushalt werden zunehmend zu Aufgaben beider Partner, und nicht mehr nur einer (weiblichen) Person.

 

Für Elternschaft gilt: der „Partner“ der Mutter erhält gesetzlich eine Woche bezahlten Urlaub, und es können fünf weitere Wochen beantragt werden. Mütter kriegen zehn Wochen Mutterschaftsurlaub. Selbst wenn sie nach drei Wochen wieder arbeiten möchte und ihr Partner sich daheim um das Neugeborene kümmert. Bei einer Adoption beträgt der gesetzliche Urlaub nur sechs Wochen.

 

Diese Vorschriften werden von den Arbeitnehmern immer mehr kritisiert, da sie zunehmend als ungerecht und diskriminierend empfunden werden. Der Wunsch nach einem schwedischen Modell, bei dem sich beide Elternteile zusammen 480 Tage Urlaub aufteilen können, wird immer deutlicher.

 

Trends treffen nicht auf jeden zu

 

Die oben beschriebenen Trends treffen nicht auf jeden zu. Wir sehen zum Beispiel Generationsunterschiede und Unterschiede zwischen Bildungsniveaus.

 

Wir versuchen, Menschen nicht anhand ihres Geburtsdatums zu definieren, aber es lassen sich tatsächlich einige allgemeine Unterschiede zwischen den Generationen feststellen. 

 

Ältere Generation wissen Stabilität mehr zu schätzen, während jüngere Generationen Veränderungen als alltägliche Realität betrachten. Die Bedürfnisse nach Flexibilität und nach Emanzipation im häuslichen Umfeld sind bei den jüngeren Generationen noch stärker ausgeprägt.

 

Und nicht zuletzt empfinden die älteren Generationen möglicherweise Frustration hinsichtlich der scheinbar unstrukturierten und unorganisierten Arbeitsweise, die von jüngeren Generationen bevorzugt wird. 

 

Was das Bildungsniveau angeht, so ist eine andere Auffassung von „Zeit“ und „Ort“ vor allem unter Menschen mit Bürotätigkeiten verbreitet. Hierbei handelt es sich öfter um Stellen für Akademiker und Hochschulabsolventen, als um zeit- und ortsgebundene Stellen. Denke zum Beispiel an einen Berater oder einen Back-End-Entwickler im Vergleich zu einem Gärtner oder Barista.

 

Risiken dieser Trends

 

Als Personaler gibt es einige Dinge, die man angesichts der sich ändernden Bedürfnisse der Arbeitnehmer beachten muss.

Mehr Effizienz statt mehr Burnout

 

Mit der sich ändernden Work-Life-Balance – bei der hybride Arbeitsformen immer mehr an Popularität gewinnen – wird der Schwerpunkt zunehmend auf digitale Tools zur Effizienzsteigerung gelegt. Zoom und Teams machen das Pendeln überflüssig. Trello- oder Jira-Boards optimieren die Aufgaben des Teams. Slack beschleunigt die Kommunikation. Mit Sharepoint oder GoogleDocs kann man zur gleichen Zeit gemeinsam an Dokumenten arbeiten.

 

Aber wie Inc.com schreibt: „Diese Technologien sorgen dafür, dass wir ein Arbeitstempo erreichen, das wir uns niemals hätten vorstellen können, aber wir wissen auch, dass Bildschirmmüdigkeit ein Thema ist, dass es in vielen Fällen arbeitsbedingte Burnouts gibt, und dass der ständige Wechsel zwischen E-Mail, Messaging-Diensten und Textnachrichten ein Art Schleudertrauma verursachen kann.“ Wir leiden an einer digitalen Überlastung.

 

Drei einfache Maßnahmen können hier Abhilfe schaffen:

 

  1. Rege deine Mitarbeitenden dazu an, ihren Arbeitstag nicht mit dem Aufklappen des Laptops und dem Lesen der E-Mails zu beginnen, sondern mit einem Notizblock und einem Stift. Damit können sie zum Beispiel ihre Vorsätze und Ziele für den Tag aufschreiben.
  2. Motivieren deine Mitarbeitenden dazu, ausreichend Pausen einzulegen. Lies hier unseren Artikel zu diesem Thema.
  3. Versuche deine Mitarbeitenden davon abzuhalten, ihr Telefon zu Besprechungen mitzubringen. Meetings sind wertvolle Momente für menschlichen Kontakt. Schon die bloße Anwesenheit eines Telefons lenkt davon ab.
  4. Versuche auch, zu verhindern, dass Laptops zu Besprechungen mitgenommen werden. Verwendet stattdessen lieber Notizblöcke und Stifte.
  5. Sei clever im Umgang mit digitalen Tools. Sind sie tatsächlich notwendig? Braucht man wirklich drei verschiedene Kommunikationskanäle oder reicht einer? Oder gibt es vielleicht sogar ein analoges Werkzeug, dass genauso gut oder besser funktioniert als die digitale Version

 

Digital Natives versus digitale Analphabeten

 

Eine weitere Folge der Digitalisierung unserer Arbeit ist die wachsende Kluft zwischen den Digital Natives (jüngere Generationen, die im Technologie- und Informationszeitalter aufgewachsen sind) und Menschen, die weniger gut mit Technologie umgehen können.

 

Auch hier kann es hilfreich sein, bei der Wahl der digitalen Werkzeuge klug vorzugehen. Und in die digitalen Fähigkeiten aller zu investieren.

 

Ungleichheit bei den Profiteuren

 

Eine andere Auffassung von „Zeit“ und „Ort“ bei der Arbeit kommt vor allem Menschen mit Bürotätigkeiten zugute. Hierbei handelt es sich öfter um Stellen für Akademiker und Hochschulabsolventen, als um zeit- und ortsgebundene Stellen. Denke zum Beispiel an einen Berater oder einen Webentwickler im Vergleich zu einem Gärtner oder Barista.

 

Auch innerhalb von Unternehmen kann dies zu Ungleichheiten führen. Die Reinigungskraft, der Rezeptionist oder der Koch profitieren nicht von erhöhter Flexibilität, der Vorgesetzte, der Personaler und der Berater hingegen schon.

 

Flexibilität versus Unsicherheit

 

Viele Arbeitnehmer wünschen sich Flexibilität. Sowohl in Bezug auf die Arbeitszeiten als auch auf den Ort, an dem sie arbeiten. Infolgedessen ist die Zahl der Selbstständigen stark gestiegen: um mehr als 25 Prozent seit 2010.

 

Die Flexibilität kann auch Vorteile für den Arbeitgeber haben: Wenn viel zu tun ist oder Spezialwissen benötigt wird, stellt man Selbstständige ein und wenn sie nicht mehr gebraucht werden, bedankt man sich für die Hilfe und lässt sie ziehen.

 

Doch die Flexibilität hat auch einen Nachteil: Unsicherheit. Sowohl für den Selbstständigen – denn es gibt kein gesichertes Einkommen mehr – als auch für das Unternehmen. Die Hürde für einen Weggang ist bei Selbstständigen niedriger als bei Festangestellten. Und wenn ein Selbstständiger das Unternehmen verlässt, so gehen auch das neu erworbene Wissen und die Erfahrung.

 

Freizeit versus Arbeit

 

Wenn man immer und überall arbeiten kann, verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Die Mitarbeitenden sind immer im Bereitschaftsmodus. Das Zuhause ist nicht mehr nur ein Ort der Entspannung, sondern auch ein Ort der Arbeit. Und das Gleiche gilt für den Urlaub.

 

Das Risiko dabei ist, dass sich Mitarbeitende überarbeiten oder ein Burnout entwickeln. Auch Schlafstörungen können Folge einer verschwommenen Grenze zwischen Arbeit und Freizeit sein.

 

OpenUp bietet ein kostenloses Programm zur Schaffung einer guten Work-Life-Balance an.

 

Menschen, die im Homeoffice arbeiten, haben weniger Chancen

 

Eine Sorge von Menschen, die vermehrt im Homeoffice arbeiten, ist, dass sie weniger Chancen auf Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder interessante Projekte haben. Obwohl sie vielleicht genauso viel Leistung erbringen, wie die Menschen, die öfter vor Ort arbeiten. Einfach, weil sie weniger sichtbar sind.

 

Beförderungen, Gehaltserhöhungen und die Verteilung von Projekten sollten aufgrund von Leistung und nicht aufgrund von physischer Anwesenheit erfolgen.

 

Was bedeuten diese Trends für dich?

 

Bei diesen Trends handelt es sich um pauschale Aussagen und Vorhersagen, nicht um handfeste Fakten. Der Stand der Dinge in deinem Unternehmen ist möglicherweise ganz anders. 

 

Deshalb ist es wichtig, stets mit deinen Mitarbeitenden im Gespräch über ihre Bedürfnisse hinsichtlich einer Work-Life-Balance zu bleiben. Sowohl im Kollektiv als auch auf Einzelebene. Im persönlichen Gespräch, durch Umfragen, Townhall-Meetings (bei denen alle Mitarbeiter zusammenkommen) und in Teambesprechungen.

 

Denn wenn du kontinuierlich Informationen über die Bedürfnisse innerhalb des Unternehmens sammelst, hilft dir das dabei, tatsächlich eine Vorhersage über die Zukunft zu treffen.

 

Die Psycholog*innen von OpenUp können ebenfalls helfen, indem sie Vorgesetzten und Mitarbeitenden die richtigen Werkzeuge an die Hand geben, um eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen. Hier erhältst du weitere Informationen.