Nein sagen: Warum fällt uns das so schwer?

30 Nov ‘22
3 min
Lisanne van Marrewijk
Überprüft von Psycholog*in Judith Klenter
illustratie van vrouw die nee zegt

Nein ist nur ein Wort. Dennoch fällt es uns oft schwer, es auszusprechen. Wenn jemand zu uns „Nein” sagt, fühlt sich das komisch an. „Nein” ist ein Wort, das wir lieber vermeiden. Nein zu sagen ist unfreundlich, wenig hilfsbereit und unsympathisch. Zumindest denken wir das. In Wahrheit ist es allerdings ganz anders.

 

Wir sagen nicht gerne Nein. Warum ist das so? Warum sagen wir oft Ja, obwohl wir eigentlich Nein meinen? Wie machst du das? Kannst du auf positive Weise und ohne Schuldgefühle Nein sagen?

 

Warum sagen wir ungern Nein?

 

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum es uns schwer fällt, Nein zu sagen. Ja zu sagen ist einfacher. Daher sagen wir das öfter, obwohl wir es eigentlich nicht meinen. Wir wollen dazugehören und uns mit anderen verbunden fühlen. Ein Nein scheint kontraproduktiv für dieses Bedürfnis zu sein. 

 

Wir sagen lieber nicht Nein zu anderen, weil wir wollen, dass andere uns mögen. Außerdem ziehen wir es vor, Konfrontationen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. Wir wollen die Gefühle anderer nicht verletzen und andere nicht enttäuschen.

 

Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der Ja eine wichtige Bedeutung hat. Wir wollen keine Gelegenheit ungenutzt lassen und das Beste aus unserem Leben und unserer Karriere machen. Ein Nein ist dem nicht förderlich.

 

Das ist eine logische Schlussfolgerung. Ja zu sagen bringt schließlich Chancen und Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig setzt einen das sehr unter Druck. Daher dürfen wir ohne schlechtes Gewissen ab und an das Tempo drosseln oder eine Gelegenheit vorbeiziehen lassen.

 

Nein zu sagen ist eine Fähigkeit – und kann man lernen

 

Ja zu sagen geht ganz automatisch von der Hand. Ehe man sich versieht, ist es raus. Obwohl man eigentlich nein meint. Vor allem Frauen fällt es oft schwer, Nein zu sagen. Wie schafft man es, in solchen Momenten Nein zu sagen? Auch wenn es unangenehm oder unbequem ist?

 

Fang klein an

 

Nein zu sagen kann eine große Überwindung sein. Vor allem, wenn man es nicht oft tut. Daher kann es hilfreich sein, mit kleinen Dingen anzufangen. So kannst du üben, Nein zu sagen und dich langsam daran gewöhnen. Lehne zum Beispiel den Kassenzettel im Supermarkt ab oder erkläre dem Kellner, dass du kein Getränk mehr möchtest. 

 

Tipp: Du kannst auch mit unseren Psycholog*innen üben und lernen, wie man Nein sagt. Gemeinsam werdet ihr herausfinden, warum du nicht gern Nein sagst und wie du das ändern kannst.

 

Lass dir Zeit 

 

Mach eine Pause, bevor du antwortest. Atme durch und schau nach draußen, bevor du der anderen Person antwortest. Somit hast du kurz Zeit, um dich zu sammeln. Eine andere Möglichkeit ist, der Person zu sagen, dass du darüber nachdenkst und dich später bei ihr meldest.

 

Auf diese Weise hast du Zeit, darüber nachzudenken. Passt es in deinen Zeitplan, macht es dir Spaß und ist es deine Energie wert? Danach kannst du eine wohlüberlegte Antwort geben.

 

💡 Bist du ein People Pleaser? So lernst du, für dich selbst zu entscheiden

 

Biete eine Alternative an 

 

Es gibt Momente, in denen du nicht sofort helfen kannst. Du stehst vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung oder bist bereits komplett ausgebucht. In diesem Fall solltest du der Person eine Alternative anbieten. 

 

Lass die Person wissen, dass es im Moment nicht in deinen Zeitplan passt. Nächsten Monat hättest du aber Zeit, um zu helfen. Erkläre, dass du bereits ausgebucht bist. Du leitest die Anfrage aber gerne an deine Kolleg*innen weiter.

 

Du musst dich nicht rechtfertigen

 

Ein einfaches Nein reicht. Du musst keine Erklärung abgeben, warum du Nein gesagt hast. Wenn man anfängt zu argumentieren, gibt man dem anderen die Möglichkeit, einen vom Gegenteil zu überzeugen. 

 

Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen, die eine Ausrede anführen, mehr Schwierigkeiten haben, sich von der Frage zu befreien, als diejenigen, die keine Erklärung abgeben.

 

Verwende dafür einen der folgenden Sätze: 

 

  • Leider kann ich nicht.”
  • Danke, aber es wird mir leider nicht möglich sein.” 
  • Leider muss ich das Angebot ablehnen.” 
  • Tut mir leid, aber ich habe keine Zeit.” 
  • Nein, ich fühle mich dabei nicht wohl.” 
  • Das passt mir leider nicht.” 
  • Nein, ich will das nicht tun.”

 

Drücke dich respektvoll und deutlich aus

 

Beim Nein-Sagen hilft es, respektvoll zu bleiben und dem anderen in die Augen zu schauen. Ebenfalls wichtig ist eine deutliche Ausdrucksweise. Eine kurze und klare Antwort (nein mit einer kurzen Erklärung) wirkt stärker und aussagekräftiger als eine lange Erklärung, mit der man sich oft entschuldigt.

 

Sag rechtzeitig Nein

 

Ertappst du dich oft dabei, wie du in letzter Minute absagst? Wenn ja, könnte das daran liegen, dass du zu oft Ja gesagt hast. Gib rechtzeitig Bescheid, wenn du es nicht schaffst oder du keine Zeit hast. Das ist besser, als jemandem in letzter Minute abzusagen.

 

Du darfst auch Ja sagen

 

Manchmal würde man etwas lieber nicht tun. Dennoch weiß man, dass Ja die richtige Antwort ist. Zum Beispiel, weil es dir in der Zukunft etwas bringt oder weil dir die Person viel bedeutet. Sei in diesem Fall bereit, Kompromisse einzugehen.

 

Wenn man etwas erreichen will, muss man gelegentlich etwas tun, was einem keinen Spaß macht. Im Beruf, aber auch in Freundschaften und Beziehungen. Dieser Artikel in der Harvard Business Review wird dich motivieren, Dinge zu tun, die du eigentlich nicht tun willst.

 

📚 Mehr lesen: Wie kannst du besser Grenzen setzen?