Freundlichkeit hat Vorteile

22 Aug ‘22
5 min
Arianna Freni
Überprüft von Psycholog*in Madelief Falkmann
Freundlichkeit hat Vorteile
Freundlich zu sein hat etwas besonders Erstaunliches an sich — und das ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Es ist weit mehr als nur ein Verhalten. Freundlichkeit ist ein lebendiges System, das von einem einzigen Funken ausgeht und sich wie eine sich selbst nährende Spirale von einem Menschen zum anderen ausbreitet.

 

Als Menschen und soziale Lebewesen sind wir darauf angewiesen. Evolutionär gesehen ist unser Gehirn biologisch auf Freundlichkeit eingestellt. Und wie Darwin selbst angedeutet hat, ist sie eine unverzichtbare Eigenschaft für unser Überleben als Spezies.

 

Das Überleben der Freundlichsten

 

Im Gegensatz zu dem, was viele denken mögen, geht es nicht nur um das Überleben des Stärkeren. Dieser Satz wurde fälschlicherweise Darwin zugeschrieben und wird oft missverstanden. Wenn es ums Überleben geht, zahlt sich Freundlichkeit tatsächlich aus. Nach Ansicht des Biologen sind Kooperation und Mitgefühl die besten Waffen für den evolutionären Erfolg der Menschheit.

 

Als soziale Tiere sind wir von Natur aus auf Freundlichkeit programmiert. Denke nur an unsere Vorfahren! In schwierigen Umgebungen war es die Bereitschaft, zusammenzuarbeiten, Nahrung und Ressourcen zu teilen und ein gutes Unterstützungsnetzwerk aufzubauen, das dafür gesorgt hat, dass du heute hier bist und diesen Artikel liest.

 

In jeder Hinsicht ist Freundlichkeit nicht nur eine persönliche Eigenschaft, sondern auch ein ererbter und eingeprägter Instinkt, den wir alle auf einer zellulären Ebene, tief in unserer Physiologie, teilen.

 

Die Wissenschaft der Freundlichkeit

 

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass die Kraft der Freundlichkeit nicht nur eine Metapher ist, sondern dass sie in unserem Gehirn fest verankert ist. Hast du schon einmal dieses herzerwärmende Gefühl erlebt, das dich erfüllt, wenn du eine freundliche Tat vollbracht hast? Egal ob du beim Einkaufen hilfst, ein Kompliment machst oder einfach eine fremde Person anlächelst.

 

Es ist nicht nur ein Gefühl im Gehirn, denn auch Botenstoffe werden dabei ausgeschüttet. Denke zum Beispiel daran, wie unser Nervensystem auf die liebevollen Handlungen oder Worte einer Person reagiert, der wir uns nahe fühlen. Das liegt daran, dass selbst einfache Dinge wie eine sanfte Berührung uns auf unglaublich wirkungsvolle Weise beeinflussen, indem sie verschiedene Bereiche unseres Gehirns aktivieren.

 

Und das ist noch nicht alles

 

Bei Freundlichkeit geht es nicht nur darum, etwas Nettes zu tun. Freundlichkeit steigert nicht nur unsere Zufriedenheit und Genugtuung, sondern macht uns auch gesünder und glücklicher. 

 

Freundlichkeit wirkt sich direkt auf das Gehirn aus und setzt wichtige Hormone frei, die sich auf unser allgemeines Wohlbefinden und unsere Stimmung auswirken. Verschiedene Behandlungsmethoden, darunter auch Therapie und Meditation, erkennen die Auswirkungen von Freundlichkeit auf den menschlichen Geist an. 

 

Mit anderen Worten: Je freundlicher du bist und je mehr Menschen du hilfst, desto besser wirst du dich fühlen – geistig und körperlich.

 

Die wissenschaftlich belegten Vorteile von Freundlichkeit

 

Immer noch neugierig? Hier sind fünf wissenschaftlich untermauerte Vorteile von Freundlichkeit, die sich positiv auf dein Gehirn auswirken:

 

1. Glückshormone

 

Wenn wir freundlich handeln, setzt unser Gehirn Oxytocin frei, ein Hormon, das als Bindungshormon bekannt ist. Oxytocin ist dafür bekannt, dass es unsere Sozialkompetenz steigert, uns freundlicher macht und unser Einfühlungsvermögen verbessert, während es auch den Blutdruck senkt.

 

Oxytocin wird im Allgemeinen freigesetzt, wenn wir körperlich intim sind oder stillen, aber wir neigen auch dazu, es zu produzieren, wenn wir freundlich sind. Das wiederum führt dazu, dass wir uns mit der anderen Person stärker verbunden fühlen.

 

Darüber hinaus trägt Freundlichkeit auf natürliche Weise zum Mix aus Serotonin und Dopamin bei, den Neurotransmittern, die unsere Stimmung regulieren und das Glücksgefühl steigern. Dies wirkt sich auch positiv auf das Gedächtnis, das Lernen und die Gehirnfunktion aus – was für ein schöner Cocktail, nicht wahr?

 

2. Weniger Stress

 

Ein entscheidender Vorteil von Freundlichkeit ist, dass sie sich auf das Gehirn auswirkt, indem sie Stress abbaut. Sich ständig gestresst zu fühlen, ist sowohl für unseren Geist als auch für unseren Körper eine Herausforderung, weshalb es von grundlegender Bedeutung ist, bestmöglich damit umzugehen

 

Freundliches Verhalten schützt uns vor den negativen Auswirkungen von Stress. Untersuchungen haben ergeben, dass soziales Verhalten eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Stresssituationen spielt und hat sich als wirksame Strategie zur Verringerung der Auswirkungen von Druck und Angst auf unser emotionales System erwiesen.

 

3. Längeres Leben

 

Weniger Stress wiederum wird mit einem längeren Leben in Verbindung gebracht. Einer Studie zufolge haben diejenigen, die regelmäßig Freundlichkeit praktizieren, 23 % weniger Cortisol (ein Stresshormon) und altern langsamer als der Durchschnitt der Bevölkerung.

 

Ein enger Familien- und Freundeskreis senkt auch das Risiko von Herzkrankheiten. Die Auswirkungen von Freundlichkeit wirken sich direkt auf unser gesamtes Wesen aus, da sie eine Vielzahl von lebenswichtigen Hormonen und Neurotransmittern in unserem Körper freisetzt.

 

Freundlichkeit fördert nicht nur unser geistiges und emotionales Wohlbefinden, sondern hilft uns auch, länger zu leben und körperlich gesund zu bleiben.

 

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4. Vergnügen steigern

 

Forschung zeig, dass die Wohlfühlzentren unseres Gehirns aufleuchten, wenn wir freundlich zu jemand anderem sind und dass dies unsere allgemeine Lebenszufriedenheit erhöht.  Dieses als Helfer-High bekannte Phänomen ist darauf zurückzuführen, dass unser Gehirn Dopamin – den Wohlfühl-Botenstoff – freisetzt.


Wenn wir freundlich zu anderen sind, erzeugt unser Gehirn dieses angenehme Gefühl der Euphorie, als ob wir Freundlichkeit aus erster Hand erfahren hätten. Auf diese Weise fühlen sich Geber*innen genauso gut wie Empfänger*innen, weil sie etwas unerwartet Nettes getan haben. Das Beste aus beiden Welten!

 

5. Ansteckende Sympathie

 

Und aufgepasst: Freundlichkeit kann ansteckend sein! Sie verbreitet Optimismus sowohl bei den Geber*innen als auch bei den Empfänger*innen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass wir uns oft „revanchieren“, wenn wir eine freundliche Geste erhalten.

Das heißt, wenn jemand etwas Gutes für uns tut, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass wir etwas Gutes für jemand anderen tun. Eine gute Tat wird wiederum eine andere inspirieren, wie erstaunlich ist das?

Denk auch daran, dass Lächeln und Lachen einprägsam sind, weil die Spiegelneuronen in unserem Gehirn ganz natürlich darauf reagieren, wenn jemand anderes eine Emotion zeigt. Bist du bereit, eine Kette von positiven Schwingungen auszulösen?

 

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Wenn nicht jetzt, wann dann?

„Sei freundlich, wann immer es möglich ist. Es ist immer möglich.“ 

Sagte einst der 14. Dalai Lama. Was das Leben wunderbar macht, ist die Zusammenarbeit, Mitgefühl und Freundlichkeit in unseren Worten und Taten.

 

Und das Beste daran? Freundlichkeit muss weder teuer noch sichtbar oder extrem sein. Sie kann so einfach sein wie ein Lächeln, ein freundliches Wort oder eine kleine stille Geste, die deinen Tag und den des anderen ein wenig heller macht.

 

Nimm dir einen Moment Zeit, um dich zu fragen, was deine letzte freundliche Tat war. Wann warst du zuletzt nett zu jemand anderem oder nur zu dir selbst? Und wie hat sich das angefühlt?

 

Gelegentlich vergessen wir alle, die positive Seite der Dinge zu sehen. Wir leben in einer Welt, die manchmal eine Herausforderung sein kann. Jeder rennt schnell, ohne viel Aufmerksamkeit auf zufällige Akte der Freundlichkeit zu richten.

 

Aber letztendlich können wir die Herausforderungen von morgen nur meistern, wenn wir uns umeinander kümmern. Das bedeutet, dass wir denjenigen, die Hilfe brauchen, eine Hand reichen, auch dir selbst. Eine Win-Win-Situation!